Full text: Volume (5 (1915))

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Rudolf Schäfer,

gelus Carletus de Clavasio1 II) verbrannt und dieses Vorgehen
in seiner Schrift „Warum des Papsts und seiner Jünger
Bücher verbrannt sind" 2) gerechtfertigt. Es geschah nicht
wegen der Bannbulle, sondern wegen des kanonischen
Hechts. Denn jene war bei der in Deutschland herrschenden
Stimmung von keiner großen Wirkung. Ein Mann von dem
Ansehen und Einfluß, wie der Senior der Wittenberger
Juristenfakultät Henning Goede es war, äußerte gegen
Spalatin, daß er von der Bannbulle nichts halte, da ihre
1) die sich nach dem Urteile Stintzings, Gesch. d. deutsch.
Rechtsw. I (1880) S. 19 gerade durch ihre Vollständigkeit und Zweck-
mäßigkeit auszeichnete (cf. noch Stintzing, Gesch. d. popul. Lit. usw.
1867 8. 539ff.), während Luther wegen der Bußlehre, die sie vertrat,
umgekehrt meinte, man solle sie nicht „angelica sondern diabolica nennen
um der großen Büberei und Sophisterei willen, so darinnen ist". Sie hat
einen kolossalen Einfluß ausgeübt, daher erklärt sich nach Schulte,
Gesch. d. Quell, u. Lit. d. kanon. Rechts II (1877) S. 453 der Angriff
Luthers; andererseits hat Köhler, Luther u. d. Juristen 1873 S. 119ff.
durchaus mit Recht darauf hingewiesen, daß Luther selbst wesentlich
auf dem Boden des kanonischen Rechts, das er so heftig bekämpfte,
stand. Mit Rücksicht auf die Schrift von Köhler wie die von Sachse,
Luther u. d. kanon. Recht 1884 ist hier die Stellung Luthers zu ihm
nur ganz kurz dargelegt.
2) Erl. Ausg. 24. cf. auch „Vom Papsttum zu Rom" 1520 1. c. 27
und „An den christlichen Adel deutscher Nation 1520 1. c. 21, auch Art.
Smalc. (1537) II art. 4 und die Zusammenstellung von Aussprüchen
Luthers bei Sohm, K.R. (1892) 8. 461 ff. Postquam ergo ejusmodi eorum
cumbustione librorum veritati magna imminere jactura et apud im-
peritam plebem suspicio inde ad multarum animarum perniciem nasci
posset, ego vicissim instinctu ut spero spiritus ad confirmandam et con-
servandam veritatem Christianam et vulgus, libros adversariorum com-
bussi inspecta eorum insperabili emendatione et correctione, cf. Joh.
Friedr. Mager, Comment. ad Nicol. Selnekkeri Lutheri vitam
S. 117 ff. Papa est Deus in terris superior omnibus caelestibus, terrenis*
spiritualibus et saecularibus. Et omnia papae sunt propria, cui nemo
audeat dicere: quid facis? Haec est illa abominatio, ille foetor, de quo
Christus Matth. 24. dixit: cum videritis abominationem desolationis,
quae dicta est a Daniele propheta, stantem in loco sancto, qui legit,
intelligat . . . (Matth. 24, 15ff.) cf. noch Sleidanus, Comment. de statu
relig. et reipublicae II p. nr. 50. Seckendorf, Histor. Lutheranis mi
I sectio 31 § 79 8. 121. Gottfr. Arnold, Kirchen- und Ketzer-Historie
II lib. 16 cap. 5 § 13. Kipping, Prolusiones jur eccl. recte constitu-
endi usw. 1744 hat die Tat Luthers gerechtfertigt, da sie die Geltung
des kanonischen Rechts bei den Protestanten eingeschränkt habe.

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