Full text: Volume (5 (1915))

Der Ursprung der Kölner Pfarreien.

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Kölner Burdekanat, von dem wir 1198 durch die Nennung
des „LMewicus archidiaconus et Burgensis decanus“1) und
dann wieder durch die Erwähnung des Burdekans in dem
Schiedsspruch von 12582) Kunde erhalten. Nach der Ana-
logie von Trier3) dürfen wir Burdekanat unbedenklich als
Stadtdekanat verstehen und in dem Burdekan den Vor-
gesetzten der Kölner Pfarrer erblicken. Wie das Dekanat
in anderen Teilen der Diözese bestimmten Kollegiatstiften
übertragen war, so im Bonn- und Ahrgau dem Propst des
Georgsstiftes, im Mühlgau dem Propst von 8. Severin, in
der Christianität Bergheim dem Propst von S. Gereon usw.4),
so war, wie es scheint, das Burdekanat zeitweilig mit der
Propstei des Andreasstiftes verbunden. Wenigstens gelobt
der neuerwählte Propst 1332, das Burdekanat soweit mög-
lich wieder zu erwerben.5) Auf keinen Fall dürfen wir in
dem Burdekan den Vorstand der Bruderschaft erblicken.
An deren Spitze stand vielmehr nach den Statuten von
1310 ein camerarius, der alljährlich, Ende Mai, von den
Mitgliedern aus ihren Reihen neu gewählt wurde und der
sich einen zweiten camerarius aus der Zahl der Mitglieder
zur Unterstützung beigeben konnte. Der Burdekan hin-
gegen gehörte, wie aus der oben angeführten Stelle klar
hervorgeht, nicht zur Bruderschaft, geriet sogar bisweilen
in scharfen Gegensatz zu ihren Gliedern. Andererseits ver-
folgte die Bruderschaft großenteils dieselben Ziele wie sonst
die Dekanatsverbände: gegenseitige religiöse Förderung,

*) Quellen I, 8. 612 Nr. 113. Er war zirka 1194—1200 Dom-
propst. In einer gefälschten, aber gleichzeitigen Urkunde, die aus dem
Jahre 1196 stammen will, tritt ein „Theodericus urbis decanus“ auf
(Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, II, bearbeitet
von Richard Knipping, Bonn 1901, 8. 306 Nr. 1511), offenbar iden-
tisch mit dem gleichnamigen Propst von S. Andreas (1192—1205).
2) Quellen II, 8. 382 Nr. 384; vgl. 8. 392f.
3) Vgl. Georg. Christoph. Neller, Opuscula omnia juris eccle-
siastici . . . III, 1, Coloniae 1790, p. 61—103: De Burdecanatu Trevirensi ■
4) Vgl. Karl Füssenich, Der Propst von St. Gereon zu Köln
und die Bergheimer Christianität, Annalen LXXXII, 1907, 8. 132
bis 148, bes. 135.
5) Schäfer, Inventare, Annalen LXXVI, 1903, 8. 20 Nr. 97;
vgl. oben die Bemerkung über den „Theodericus urbis decanus“.
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