Full text: Volume (5 (1915))

Der Ursprung der Kölner Pfarreien.

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förmliche Teilung einer vorhandenen Pfarrei sind nur S. Jo-
hann Baptist und 8. Lupus zurückzuführen.
Zeitlich fallen, wie kaum anders zu erwarten ist, die
Anfänge der vorstädtischen Pfarrbildung früher als die Ent-
stehung der städtischen Parochien (mit Ausnahme wohl
von 8. Peter). Der Abschluß der Entwicklung ist jedoch
für beide Gruppen von Pfarreien in dieselbe Zeit, etwa den
Beginn des 12. Jahrhunderts zu setzen. Nachher tauchen
nur noch zwei neue Pfarreien auf, die dadurch entstanden
sind, daß das Pfarrsystem auch in das allein noch pfarrlose
Gebiet der Bischofsimmunität eindrang. Das geschah um
1300. Während der 29. Artikel des Rotulus von 8. Maria
im Kapitol nur 17 Kölner Pfarreien auf zählt, erklären ver-
schiedene Zeugen, es gebe deren 18, die Kirche 8. Johann
Evangelist am Bischofshof, als „capella s. Johannis in
domo episcopali“ in der Urkunde von 1172 erwähnt, sei
die 18. Pfarrkirche. Hieraus folgert Keussen, daß die
Pfarrqualität von 8. Johann Evangelist damals wohl vor-
handen, aber nicht allgemein bekannt war.1) Es ist das wohl
darauf zurückzuführen, daß der capellarius archiepiscopi,
der nach dem Rotulus von 1300 „der Patron der Johannis-
kirche“ war-2) und der bereits um die Mitte des 12. Jahr-
hunderts hier „in veteri domo archiepiscopi ante capellam
b. Johannis“3) den Send über die Dienstmannen des Erz-
bischofs abhielt, die Seelsorge der Bewohner der Hacht,
i) Keussen I, 8. 28 *. 2) Rotulus 8. 150f.
3) Das Recht der Dienst mannen des Erzbischofs von Köln, heraus-
gegeben von F. Frensdorff in Mitteilungen II, 1883, 8. 8 und Quel-
len I, 8.215): „IX. Item nullus archidiaconus, nullus decanus, nullus eccle-
siasticus ministeriales b. Petri jure synodali citabit vel excommunicabit
super aliqua re quam aliquis eorum in persona propria commiserit . . .
si dignum correctione aliquis eorum quicquam egerit, capellarius archi-
episcopi hoc de eis emendabit. Qui cappellarius proximo die post festum
s. Petri synodum suam celebrabit in veteri domo archiepiscopi ante
capellam b. Johannis et in lapidea cathedra ibidem sita ipse residebit
eruntque presentes illic b. Petri ministeriales omnes, ut de excessibus
suis, quos personaliter commiserint cappellario tamquam patri suo spiri-
tuali respondeant." — Ähnlich betrachteten die nobiles der Diözese den
Dom als ihre Pfarrkirche; vgl. Dialogus clerici et laici (Chronica regia
ed. Waitz 1880, 8. 320): „in ecclesia b. Petri, que vestra est parrochialis
ecclesia et in qua sinodum pastoris vestri, id est archiepiscopi, servare
debetis ac soletis."

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