Full text: Volume (5 (1915))

Der Ursprung der Kölner Pfarreien.

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Denn sonst wäre die Ausnahmestellung des Dörfchens
Nothausen1) und seiner Marienkirche nicht zu erklären.
Wahrscheinlich ist Lyskirchen, wie schon der Name „ecclesia
Lisolvi“ nahelegt, eine alte Eigenkirche, die durch Schen-
kung oder auf anderem Wege samt den umliegenden Gütern,
auf deren Grund und für deren Bewohner sie errichtet
war, an die Kölner Kirche kam. Anno II. verwandte sie
dann mit zur Ausstattung des von ihm gegründeten Georgs-
stiftes.2) Die Kirche solle, so heißt es in der angeblichen
Stiftungsurkunde von 1067 weiter, fortan dem Georgsstift
in derselben Weise untergeben sein wie die Kirche S. Jo-
hann Baptist dem Severinsstift.
Über das Verhältnis der beiden letztgenannten Kirchen
unterrichtet uns eingehend ein Schiedsspruch von 1230,
der nichts ändert an den „antiquis et approbatis con-
suetudinibus et debitis, quae talia sunt: In obitu cuiuslibet
plebani dicte ecclesie [S. Johann Baptist] capitulum s. Se-
verini de nocte vigilias et de mane missam animarum
cantabit ibidem et sepeliet funus ac ordo eadem die recipiet
oblationes. Praepositus autem s. Severini tamquam archi-
1) Der Name Nothausen ist erstmals in der gleich zu erwähnenden
Urkunde von 1067 bezeugt („aecclesia s. Marie in Noithusen in suburbio
civitatis Colonie iuxta ripam Reni sita“); „ecclesia Lisolvi“ heißt die
Kirche erstmals in einer Schreinsurkunde von ca. 1135/42 (Hoenigerl,
8. 18 Nr. 11); später machte man daraus eine „ecclesia paroch. sancti
Lisolphi“ (z. B. 1172 8. 148).
2) Anno schenkt seiner Gründung: „ecclesiam quoque s. Marie in
Noithusen. . . cum banno et omni iusticia sinodali et seculari una cum
subiecta sibi villa et omnibus suis iusticiis. . . ut ecclesie s. Georgii
martiris eodem iure hec subiecta sit, quo sancti Johannis Baptist^ tzcclesia
ecclesitz s. Severini confessoris subest“ (Lacomblet I, 8. 136 Nr. 209).
Die Echtheit der Urkunde hat Oppermann, Kritische Studien, WZ
XXI, 1902, 8. 36—40 und 51 f. bestritten. Heinrich Wirtz, Donum,
investitura, conductus ecclesiae, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für
Rechtsgeschichte, Kan. Abt. IV, 1914, 8. 1243 hat gleichfalls Bedenken
erhoben, da sie den Ausdruck „donum altaris“ ungewöhnlich früh ge-
braucht. Auch setzt die Urkunde die Johann-Baptist-Pfarre, die erst
nach der Stadterweiterung von 1106 entstanden ist, wohl als vorhanden
voraus. — An der Tatsache, daß Anno Lyskirchen an 8. Georg schenkte,
ist indes nicht zu zweifeln. Daher auch das Kollationsrecht des Propstes
von 8. Georg über Lyskirchen (Rotulus 8. 144; Mitteilungen XXIII,
1893, 8. 227 Nr. 665*).
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXVI. Kan. Aht. V.

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