Full text: Volume (5 (1915))

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Johann Dom,

werden, wie H. Cardauns tut1), sondern muß Pfarr-
sprengel oder Zehntbezirk bedeuten. Daß der h. Severin
denselben zu der nach ihm benannten Kirche gebannt
habe, wagt der Verfertiger der Urkunde selbst nicht als
sichere Tatsache hinzustellen. Dagegen wäre es gut denk-
bar, daß Erzbischof Hermann (889/90—925) es getan, und
daß Wichfrid oder ein anderer Erzbischof dessen Grenz-
bestimmung erneuert und darüber eine von unserer Fäl-
schung benützte Urkunde ausgefertigt hätte.2)
Jedenfalls hat der ganze umschriebene Bezirk einmal
zur Severinspfarre gehört. Im späteren Mittelalter finden
wir jedoch innerhalb der von den 14 Männern angegebenen
Grenzen noch weitere drei Pfarren, von denen eine mit
der in der Urkunde erwähnten Marienkirche am Rhein,
die zweite mit der dort gleichfalls genannten Johannis-
kirche, die dritte mit einer neben dem Kollegiatstift S. Georg
bestehenden Jakobuskirche verbunden war.
Die älteste davon muß die „ecclesiola ad Rhenum “,
S. Maria Lyskirehen, sein. Denn zu ihr gehörte min-
destens damals, als die gefälschte Wichfridurkunde ent-
stand, ein kleiner, 20 Häuser umfassender Bezirk; ja
sicher schon bedeutend früher, noch bevor mit dem Seve-
rinsstift der oben beschriebene Sprengel verbunden wurde.

!) Annalen XXVI/XXVII, 1874, 8. 344; vgl. H. Aubin, Zum
Schreinswesen in der Stadt Köln und ihrer Umgebung, WZ XXXI,
1912, 8.199; Oppermann, Kritische Studien III, WZ XXI, 1902, 8. 49
gebraucht den gleichfalls unzutreffenden Ausdruck „Dekanatsbezirk“.
2) Oppermann weist darauf hin, daß sich „die 14 trefflichen
Männer, die das Weistum geben, merkwürdig unklar ausdrücken“, und
daß die Urkunde den stiftischen Grundbesitz und den Seelsorgebezirk
durcheinanderwirft, wohl in der Absicht, die Rechtsgrenzen zwischen
beiden zu verwischen. Vielleicht hat eine Interpolation einer echten
Urkunde stattgefunden. Schließen nicht die Worte „et sic terminum
ducebant“ viel besser an das „unde est factum ut condixerant“ an als
die unmittelbar vorausgehende Bestimmung über die terra salarica, die
pudern nur verständlich ist, wenn man terminus ausschließlich als Zehnt-
bezirk (nicht als Pfarrsprengel!) faßt. Die Ausnahme „exceptis XX
domibus — fundatam“ würde zweckentsprechender gleich hinter „usque
ad civitatis fossam “ stehen, so daß die Worte „ut nemo quid iuris —
prepositus“, die jene „merkwürdige Unklarheit“ hauptsächlich herbei-
führen, möglicherweise ein gefälschtes Einschiebsel darstellen.

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