Full text: Volume (5 (1915))

Die deutschen Reiehskriegssteuergesetze usw.

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besten Fall kurfürstliche Recht der Einberufung des Reichs-
tags an sich gerissen und wahrgenommen. Von vornherein
lag zutage, daß sein Wollen und Handeln nur im Einklang
mit den ihm von Martin V. gewordenen Aufträgen stehen
konnte. Die oberste Instanz also der Kirche billigte es,
daß auch der Klerus die Abgabe entrichte, genau wie sie
im Jahre 1422 gegen seine Besteuerung keinen grundsätz-
lichen Einspruch angemeldet hatte.1) Sie mußte mit ihr
einverstanden sein, weil das Hussitengeld der Geistlichen
eine und nicht die unwesentlichste Seite im Kampf der
Kirche als der Zusammenfassung von Klerikern und Laien
für ihre Selbstbehauptung gegen die Ketzerei des Hussiten-
tums darstellte. Hätte im anderen Falle der Kardinal den
Reichstag zu Frankfurt als einberufen nostra et verius apo-
stolica auctoritate2) bezeichnen können? War es nicht
charakteristisch, daß der Erzbischof von Bremen zu Beginn
des Jahres 1428 seine Suffraganbischöfe wohl über den
Inhalt des Schreibens Heinrichs von Winchester unterrichtete
und sie zum Gehorsam aufforderte, dabei auf puncta et
articuli in quodam rotulo papireo conscripta eidem adiuncta
verwies3), mit keinem Worte aber die hiermit angedeuteten
Frankfurter Beschlüsse ausdrücklich als solche einer Reichs-
versammlung kenntlich machte ? Prinzipiellen Widerstand
hätten bereits die geistlichen Reichsfürsten zu Frankfurt
selbst leisten müssen. Gewiß tagten sie hier — und ebenso
später in Heidelberg — als Glieder des Reiches, nicht als
Diener der Kirche. Sie mochten noch so sehr in weltliche
Interessen verstrickt sein, im Leben des Alltags ihre Pflichten
als Leiter kirchlicher Bezirke oder Anstalten denen als
Landesfürsten hintansetzen, — indem sie mit den laikalen
Reichsgliedem sich vereinten, zerstörten sie den staatlichen
Charakter des Reichstags nicht im entferntesten. Er war
keine Art von Nationalkonzil unter dem Vorsitz des Legaten.
Er war für die Gesamtheit der geistlichen Reichsfürsten die
einzig mögliche Stätte, an der ein solches Gesetz zustande
kommen konnte. Die Maßnahmen des Kardinals mochten
x) Vgl. oben 8. 28.
2) Vgl. oben 8. 36 Anm. 3, 8. 68 Anm. 2.
3) d. d. 1428 Januar 8; RTA. IX, 8. 116 n. 82 mit Anm. 1.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXVI. Kan . Abt. V. 7

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