Full text: Volume (9 (1919))

Die Cistercienser wider Gratiana Dekret.

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capituli von 11521) und unterschied die Cistercienser nicht
minder von den älteren Orden, die ihren ohnehin statt-
lichen Kirchenbesitz anläßlich des Kampfs, den die kirch-
liche Reformbewegung und die Päpste gegen die Laien-
investitur und die Eigenkirchen der Laien führten, noch
erheblich vermehrten.2) Gratian vertrat auch in diesem
Stück einen abweichenden Standpunkt. Er weiß nicht
bloß von Kirchen und Klöstern, die in einem abgeschwäch-
ten Eigenkirchenrecht der letzteren standen, das allmählich
in einen geistlichen Patronat überzugehen bestimmt war,
sondern auch von anderen, die den Klöstern pleno iure
zugehörten, ein Verhältnis, das unter seiner Mitarbeit mehr
und mehr in die Inkorporation ausmünden sollte.3) Dabei
befand er sich also wiederum in einem gewissen Gegensatz
zu den Cisterciensern. Aber gerade gegen Ende des 12. Jahr-
hunderts scheint sich auch in diesem Punkte bei ihnen die
Neigung zur Abkehr von der alten Strenge eingestellt zu
haben. Wenigstens trifft man sie schon seit den neunziger
Jahren im Besitze der einen oder anderen Kirche.4) Für
x) c. VIII (Guignard p. 252, Nomasticon p. 214): Quod reditus
non habeamus. Ecclesias, altaria, sepulturas decimas alieni laboris vel
nutrimenti, villas, villanos, terrarum census, fumorum et molendinorum
reditus et cetera his similia monasticae puritati adversantia nostri et
nominis et ordinis excludit institutio.
2) Ulrich Stutz, Die Eigenkirche als Element des mittelalterlich-
germanischen Kirchenrechts, Berlin 1895, 8. 42, Derselbe, Eigenkirche,
Eigenkloster in Hauck-Herzogs Realenzyklopädie XXIII3, Leipzig
1913, 8. 375, Derselbe, Kirchenrecht, 2. Auflage in v. Holtzendorff-
Kohlers Enzyklopädie der Rechtswissenschaft, 7. Auflage V, München
1914, 8. 314, Derselbe, Gratian und die Eigenkirchen 8. 21, Franz
X. Barth, Hildebert von Lavardin (1056—1133) und das kirchliche
Stellenbesetzungsrecht, Kirchenrechtliche Abhandlungen, herausgegeben
von Ulrich Stutz, 34. bis 36. Heft, Stuttgart 1906, 8. 126K. u. A.
3) Über all dies vgl. das Nähere in meiner Untersuchung über
Gratian und die Eigenkirchen 8. 14 ff. In Betracht kommt namentlich
qu. 2 von C. XVI mit den Dicta Gratiani zu Beginn der II. Pars, post
c. 7 und in der eingeschobenen qu. 5.
4) d’Arbois de Jubainville p. 295 weist darauf hin, daß Clair-
vaux 1196 die Kirche von Bologne (Haute-Mame) erwarb. Vgl. ferner
Alexander III. bei Winter I 8. 126f., Eberhard Hoff mann, Ent-
wicklung der Wirtschaftsprinzipien im Cisterzienserorden 8. 721 f. Die
Übernahme längst bestehender, mit mehr oder weniger reichem Kirchen-

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