Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

Die Cistercienser wider Gratians Dekret.

79

hard selbst, abgesehen1), mit gelehrten Studien nicht ab;
um bei den Cisterciensern Profeß zu tun, brauchte man
nicht einmal lesen und schreiben zu können2), und nur
der notwendigste Unterricht wurde zu eigenem Gebrauch,
für Mönche und Novizen, nicht dagegen für sonstige Schüler
erteilt.3) Erst der Wettbewerb mit den wissenschaftlich
sehr rührigen Bettelorden schuf in gewissem Sinne Wandel.4)
Aber lediglich zugunsten der Theologie, die seit der Mitte
des 13. Jahrhunderts von den Cisterciensern eifriger als bis
dahin gepflegt wurde, namentlich zu Paris, später aber auch
auf anderen von den Orden errichteten Studia generalia.5)
Verboten war und blieb namentlich das Studium der
Rechtswissenschaft. Wie wir sahen6), betreffen die Ver-
bote des 13. Jahrhunderts mit das weltliche, das römische
Recht: Die Bücherschränke und Bücherkammern der Ci-
stercienserklöster sollen insbesondere keine Bücher über
bürgerliches Recht aufnehmen. Das kann nicht verwundern
angesichts der bekannten, hier nicht im einzelnen zu ver-
folgenden Untersagung des Studiums der Leges temporales
oder mundanae von der Synode von Reims von 1131 an7)
Dieser konnte sich ja auch hinsichtlich des Predigens leisten,
was den Cisterciensern sonst verboten war; vgl. Hauck IV 3 u> 4 8. 348.
2) Officia ecclesiastica c. II, Nomasticon p. 191. Gewiß schließt
sich dieses an c. 58 der Regel des hl. Benedikt (Nomasticon p. 43) an;
Be rli öre p. 277 n. 2. Aber das entscheidet nicht, sondern vielmehr, daß und
wie die Bestimmung von den Cisterciensern wieder aufgenommen wurde
und werden mußte. Vgl. auch d’Arbois de Jubainville p. 62; Franz
Winter, Die Cistercienser im nordöstlichen Deutschland I, Gotha 1868,8.18.
3) Instituta generalis capituli c. LXXVIII, Nomasticon p. 230:
De pueris litteras discentibus. Nullus puerorum doceatur litteras intra
monasterium vel in locis monasterii, nisi sit monachus vel receptus in
probatione novitius . . . .; Hauck IV 3 " 4 8. 350.
4) Vgl. Felder 8. 120 mit Anm. 2 und 3.
5) d’Arbois de Jubainville p. 64 ss.; Deutsch a. a. O. IV3
8. 123 und besonders Felder 8. 118 Anm. 2, der einen Beschluß des
Cisterciensergeneralkapitels von 1245 mitteilt, wornach allein auf
Geheiß des Papstes, des Kardinalprotektors des Ordens und einiger
anderer Kardinale und nur zugunsten der Theologie in einer Anzahl
von Abteien Winterkurse eingerichtet wurden.
6) Oben 8. 73 f.
7) Friedrich Carl von Savigny, Geschichte des römischen
Rechts im Mittelalter III, 2. Ausgabe, Heidelberg 1834, 8. 364ff., Paul

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer