Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

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Karl Gottfried Hugelmann,

I. Ssp. Landr. III 52 § 1.
§ 1. Die Textgestaltung.
Die richtige Auslegung dieser Stelle und damit die Lö-
sung der uns interessierenden Frage ist dadurch zugleich er-
schwert und erleichtert, daß uns der Text selbst in zwei ganz
verschiedenen Fassungen überliefert ist. Nach der besonders
alten Quedlinburger Handschrift (Aq nach Ho meyer),
welche nunmehr Zeumer (Quellensammlung zur Geschichte
der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit,
2. Aufl. Nr. 57 bezw. 63 SS. 59 ff.) der Textgestaltung in der
Hauptsache zugrunde legt, lautet die Stelle: Die Dudischen
sullen durch recht den küning kiesen. Swen die gewihet wirt
von den bischopphen, die dazu gesazt sin, unde uph den stul
zu Aken kumt, so hat er konincligen namen. Swen ine der
pabis wiet, so hat her keiserlichen namen. Vor dem Worte
„keiserlichen" sind nun in allen anderen Handschriften, auch
der A-Klasse (merkwürdigerweise mit alleiniger Ausnahme der
verhältnismäßig späten Nürnberger An), die Worte eingefügt:
„des riches gewalt unde“; und vor dem Worte „konincligen“
finden wir wenigstens in mehreren Handschriften der A-Klasse
und in vielen anderen die Worte „konincliche walt unde“.
Dieser Handschriftenbefund kompliziert einerseits
unsere Aufgabe insofern, als wir den ursprünglichen Text
und die Herkunft der Zusätze feststellen müssen. Er bietet
aber anderseits, sobald wir die Zusätze als solche erkennen,
auch einen wertvollen Interpretationsbehelf. Denn gerade
aus den Zusätzen in ihrer zugespitzten Fassung ergibt sich,
daß man den ursprünglichen Text schon damals dahin
verstand, daß die Krönungen nur königlichen, bzw. kaiser-
lichen Titel begründen, während königliche und kaiserliche
Gewalt auf die Wahl zurückgeführt werden. Daß es sich
wirklich um Zusätze und nicht um Auslassungen handelt,
kann schon nach dem Handschriftenbefund bezüglich der
königlichen Gewalt bestimmt keinem und bezüglich der
kaiserlichen Gewalt kaum einem Zweifel unterliegen.
Zur vollen Gewißheit führt aber auch bezüglich der
Worte „des riches gewalt unde“ eine jüngst von Eic h mann *)
*) Im Historischen Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, XXXVIII
88. 744ff.

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