Full text: Volume (9 (1919))

Die Wirkungen der Kaiserweihe nach dem Sachsenspiegel. 45

Frage beantwortet er generell für alle kirchlichen Wahlen,
unter welche er auch die Kaiserwahl subsumiert, dahin,
daß die confirmatio kein novum ins schafft, dieses vielmehr
in seiner Fülle aus der Wahl entspringt. Er schwächt diesen
Satz jedoch durch die Einschränkung ab, daß das exercitium
der Jurisdiktion dem Gewählten vor der Konfirmation nicht
erlaubt sein soll.
Dieser Standpunkt erscheint bezüglich der kirchlichen
Wahlen im allgemeinen als ein sehr gemäßigter, zumal wenn
man sich an das viel weiter gehende Zugeständnis erinnert,
welches bald darauf das 4. Lateranensische Konzil für
Deutschland gemacht hat.1) Ob Teutonicus die erwähnte
Einschränkung auch auf das Kaisertum bezieht, sagt er
nicht ausdrücklich und könnte nicht ohne weiteres als sicher
gelten. Sei dem aber, wie immer: jedenfalls sieht er
den Rechtsgrund der kaiserlichen Gewalt in der
Wahl der Fürsten, nicht in päpstlicher Verlei-
hung, und rückt damit weit ab von den hierokratischen
Kanonisten.
So finden wir wieder, ganz ähnlich wie bezüglich des
Ausschlusses des Gebannten vom passiven Königswahlrecht,
Eikes Standpunkt in derselben Richtung, wie den des Teu-
tonicus, mit dem Eike schon darin übereinstimmt, daß er
die Weihe (nicht die Krönung) der Wahl gegenüber stellt.
Im übrigen hält er sich eher noch um eine Linie von den
Hierokraten entfernter, wenn man nämlich die Einschrän-
kung bezüglich des exercitium bei Teutonicus auch auf das
Kaisertum bezieht, wobei aber die Möglichkeit offen bleibt,
daß Eike nur durch unbewußtes Absehen von dieser kano-
nistischen Feinheit den Standpunkt etwas verschoben hat.
Überhaupt möchte ich nicht so verstanden werden, als ob
die Schülerschaft Eikes gegenüber Johannes Teutonicus als
etwas absolut Zweifelloses hingestellt werden sollte, und
noch weniger so, als ob jede einzelne Übereinstimmung oder
auch Abweichung in den Ansichten der beiden Männer als
eine bewußte Stellungnahme Eikes zu Teutonicus gedeutet
*) Wir werden hierauf vielleicht in einem dritten kanonistischen
Streifzug durch den Sachsenspiegel, der dessen Beziehungen zum 4. Late-
ranensischen Konzil behandeln soll, zurückkommen.

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