Full text: Volume (9 (1919))

11.2. E. Loening

Kanonistische Chronik.

373

Scherers wissenschaftlich-literarische Tätigkeit wäre unvollständig
gewürdigt, wenn wir nicht auch seiner Mitarbeit an wissenschaftlichen
Sammelwerken und Zeitschriften gedenken würden. Das „Kirchen-
lexikon“ enthält eine sehr große Anzahl von Artikeln historisch-kano-
nistischen Inhalts aus seiner Feder. Vielbeachtet sind seine Artikel
„Kirche und Staat“ im Staatslexikon der Görresgesellschaft III 122—142,
„Religiöse Orden“ im österreichischen Staatswörterbuch IV 130—136,
über „Das Eigentumssubjekt einer inkorporierten Kirche oder Pfründe“
in der österreichischen Zeitschrift für Verwaltung 1887. Das Beste,
was zur Kritik der Kopulatheorie geschrieben worden ist, stammt aus
Scherers Feder (Archiv für kath. Kirchenrecht 65, 1891, 8.353—90).
Daneben bediente er noch andere theologische und historische Zeit-
schriften durch gelegentliche Mitarbeit.
Scherer war Mitglied der rechtshistorischen Staatsprüfungskom-
mission in Graz und Wien, fürstbischöflicher Konsistorialrat von Seckau
(Graz), Ehrendoktor von Budapest und Czernowitz und Mitglied der
Akademie der Wissenschaften in Wien, k. k. Hofrat und Inhaber des
Komturkreuzes des Franz Josef-Ordens.
Scherer war dabei auch eine höchst sympathische Persönlich-
keit: von hoher imponierender und vornehmer Gestalt, aber einfach
und schlicht, offen und wahr. Strebertum und Kriecherei waren ihm
in tiefster Seele zuwider. Eine hohe, wissenschaftlich-akademische Auf-
fassung saß ihm in Fleisch und Blut. Als Dozent erfreute er sich
einer beispiellosen Beliebtheit. Sein Vortrag war wie sein Wesen un-
gekünstelt, einfach und schlicht, gewürzt durch reiche, in der kon-
sistorialen Praxis erworbene Erfahrung und durch erquickenden Humor.
Mit Scherer ist ein Stern am kanonistischen Himmel erloschen.
Aber der Geist, in dem er die Wissenschaft des Kirchenrechts pflegte,
soll uns ein kostbares Vermächtnis bleiben, das wir Jüngere unentwegt
hüten und pflegen wollen.
München. E. Eichmann.
Im Dezember 1918 starb in Münster in Westfalen der ordentliche
Professor der Pastoraltheologie in der katholisch-theologischen Fakultät
Domkapitular Prälat D. Peter Hüls.
Am 19. Februar 1919 starb in Halle der ordentliche Professor des
Staats-, Kirchen- und Verwaltungsrechts Geheimer Justizrat D. Dr. iur.
et phii. Edgar Loening (geh. am 14. Juni 1843, Privatdozent in
Heidelberg 1868, außerordentlicher Professor in Straßburg 1872, ordent-
licher Professor in Dorpat 1877, in Rostock 1883, in Halle 1888). Nicht
sein Leben ist zu schildern, nicht auch seiner großen und bleibenden
Verdienste auf den Gebieten des Staats- und Verwaltungsrechtes zu
gedenken, denen die Mehrzahl seiner Veröffentlichungen angehört, wäh-
rend er gleichzeitig der allgemeinen Staatswissenschaft durch die Mit-
herausgabe des „Handwörterbuches der Staatswissenschaften“ sorgsame
Pflege angedeihen ließ. Mit nicht geringerem Erfolge hat Loening das

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