Full text: Volume (9 (1919))

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Literatur.

scopis seu aliis ordinariis subjectae non sint (M. S. 85 Anm. 12); in Minden
aber regierte bis dahin ja das Domkapitel mit jurisdictio quasiordinaria,
wobei ein benachbarter Bischof, sooft es nötig war, die Pontifikalien be-
sorgte (Woker 8. 58 Anm. 2, vgl. auch den Bericht Bronckhorsts von
1694, Hiltebrandt I Nr. 64) —- es waren dort also die gleichen Ver-
hältnisse, wie zu Anfang des 19. Jahrhunderts in vielen säkularisierten
Bistümern Deutschlands (z. B. im rechtsrheinischen Köln von 1801 bis
1824, in Münster von 1801 — 1817, auch in Aachen von 1815—1824, die
damals sämtlich von den Kapiteln regiert wurden) — in Minden war
zudem das Domkapitel als Jurisdiktionsinhaber von den brandenburgi-
schen Kurfürsten seit dem Homagialrezeß von 1650 anerkannt (E. A.
Th. Laspeyres, Geschichte und heutige Verfassung der katholischen
Kirche Preußens, Halle 1840, 8. 217f.), während der Wirksamkeit der
Apostolischen Vikare in den brandenburgischen Gebieten seitens der
Regierung im 17. und auch noch im 18. Jahrhundert stets wegen des
beanspruchten jus episcopale Hindernisse bereitet wurden, so daß auch
eigentlich die politische Klugheit eine Angliederung Mindens an das
Apostolische Vikariat ah untunlich erscheinen lassen mußte; freilich
residierte kaum einer der katholischen Domherren in Minden, da sie
meist zugleich noch anderswo präbendiert waren (vgl. Hiltebrandt I
Nr. 202 von 1716: . . . li cattolici, che sono provisti di altri benefitij,
sono quasi sempre assenti", ferner Nr. 215 von 1719). Tatsächlich war
Minden, darin ist Metzler 8. 79 und 88 und ebenso Mejer II 8. 278
im Gegensatz zu Laspeyres 8. 217f. zuzustimmen, im 18. Jahrhundert
dem Apostolischen Vikariat unterstellt, Steffani hat z. B. in Minden
gefirmt und wird 1720 vom Mindener Klerus als Ordinarius bezeichnet
(Hiltebrandt I Nr. 215 bzw. Nr. 220 Ziffer 33, vgl. auch Metzler
8. 113) und Franz Egon von Fürstenberg, seit 1789 Apostolischer Vikar,
subdelegierte 1812 die Jurisdiktion über Minden an den Osnabrücker
Weihbischof von Gruben (M. 8. 170), ebenso wird in der Bulle De salute
animarum von 1821 Minden in Kapitel 30 als Bestandteil der Nordischen
Missionen bezeichnet.
Nach Metzler 8. 28 wurde der Bischof von Osnabrück, Franz
Wilhelm von Wartenberg, im Jahre 1645 zum Apostolischen Vikar für
Bremen, Minden und Verden ernannt; wenn das nicht etwa ein Irrtum
Metzlers ist, was ich augenblicklich nicht nachprüfen kann (nach
Pieper 8. 53 wurde Franz Wilhelm nur Apostolischer Vikar im Erz-
bistum Bremen, vgl. auch Mergentheim II 8. 129f.), dann ergäbe
sich daraus, welche Unklarheit hinsichtlich des protestantischen Nord-
deutschland selbst in Rom herrschte, denn Franz Wilhelm war zuvor,
wie Metzler 8. 26 richtig angibt, im Jahre 1630 von Papst Urban VIII.
zum Bischof von Minden und Verden ernannt, konnte freilich die Regie-
rung seiner Diözesen wegen des Einfalles der Schweden nicht ausüben.
Im Jahre 1652 schlug (nach M. 8. 29) die Propagandakongregation dem
Papste vor, den Hildesheimer Weihbischof Adami zur Vornahme von
Pontifikalhandlungen in den Bistümern Bremen, Lübeck, Magdeburg,
Halberstadt und Minden zu bevollmächtigen, man betrachtete in Rom

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