Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

Miszellen.

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als der Stellvertreter und präsumtive Nachfolger des Bischofs trete
schon frühe hervor, geht er nämlich weg über neuere Forschungen, die
uns gelehrt haben, daß und warum nicht sowohl die Diakonen indem
erwähnten nahen Verhältnis zum Bischof standen, als vielmehr ein vom
Bischof als Begleiter bei seinen Armenbesuchen, für die Armenpflege,
die Aufsicht über die Cömeterialverwaltung und überhaupt für die
Vermögensgebahrung sich als „Kabinettssekretär“, als rechte Hand, ja
nach und nach als eine Art Generalvikar zugesellter Diakon, der
Bischofsdiakon genannt, und aus dem später der Archidiakon wurde.
Das hat Bau 1 August Leder in seinem 1905 als 23./24. Heft meiner
Kirchenrechtlichen Abhandlungen erschienenen Buche „Die Diakonen
der Bischöfe und Presbyter“ dargetan. Es ist mit einem ersten Ab-
schnitte belastet, der Viele, namentlich auch Kirchenhistoriker etwas
abgeschreckt und es verhindert hat, daß das Buch die Beachtung fand,
die es verdient. Aber der dem eigentlichen Gegenstände der Arbeit
gewidmete zweite Teil, der, wenn es auf mich angekommen wäre,
allein veröffentlicht worden wäre, ist durchschlagend. Er hellt z. B.
betreffend Säyxtov xov diaxovov ano Bievvys Dinge, über die Duchesne
wie Harnack vergeblich ins Reine zu kommen versucht haben, in
überraschender Weise auf, er erklärt, auch wenn man nicht in allen
Einzelheiten zustimmt, ganz anders, als es vorher möglich war, die
Stellung des Diakons Eleutherus neben Anicet, des Kallistus neben
Zephyrinus, die Betrauung des Stephanus durch den römischen Bischof
Cornelius mit der Verwesung der Kirche für den Fall seiner Gefangen-
nahme und der Verwaisung der Gemeinde, die gleiche Maßnahme
seines Nachfolgers Lucius zu Gunsten desselben „Archidiakons“ Stephanus
sowie die entsprechende Verfügung von Stephanus selbst für seinen
„Archidiakon“ Xystus, der dann sein Nachfolger wurde, wie zuvor
Stephanus der Nachfolger zwar nicht schon des Cornelius, wohl aber
des Lucius geworden war. Man beachte, daß alle diese freilich nur
in einigen Handschriften des Papstbuchs berichteten Vorgänge gerade
in die Zeit, auf die es uns ankommt, oder kurz nachher fallen und
auch für die dem Episkopat des Cornelius vorangegangene Stuhl-
erledigung es sehr nahe legen, daß einer der Diakonen als Haupt der
Bistumsverwesung nach Karthago so, wie oben mitgeteilt, schrieb, ohne
daß dabei auf einen Gegensatz zwischen dem diakonalen und dem
presbyteralen Kreis und auf eine Umwälzung der Bistumsverwaltung
während der Sedisvakanz braucht geschlossen zu werden.
Und nun die dritte, von Harnack auch noch in einem Exkurs
über die Stufen und das Aufrücken der Kleriker in Rom eingehend
behandelte Stütze seiner Ansicht, nämlich Eusebii historia ecclesiastica
VI 43,11 (bei Eduard Schwartz und Theod or Mommsen , Eusebius
Werke, Zweiter Band II, Leipzig 1908 S. 618 oder bei Carl Mirbt»
Quellen zur Geschichte des Papsttums*, Tübingen 1911 8. 21), die be-
kannte Stelle aus dem Briefe des römischen Bischofs Cornelius an den
antiochenischen Bischof Fabius, in dem er von seinem Gegenbischof
Novatian sagt: „Jener Rächer des Evangeliums begriff also nicht, daß

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