Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

Miszellen.

305

wurde (Cyprian, ep. 8 c. 3): Salutant vos fratres qui sunt in vinculis
(die Konfessoren) et presbyteri et tota ecclesia. Das deutet Harnack
erstmalig (er selbst hatte früher in seiner Abhandlung über „Die Briefe
des römischen Klerus aus der Zeit der Sedisvakanz im Jahre 250“ in
den Theologischen Abhandlungen für Carl v. Weizsäcker, 1892 8. 12 nur
irgend einen Diakon als Schreiber angenommen) dahin, daß die
Diakonen den Brief geschrieben hätten. Von ihnen sei also der fehlende
Bischof vertreten worden, sie hätten die Zwischenregierung geführt*
Aber nur am Anfang. Denn einige Wochen oder Monate später müsse
es, den folgenden Briefen nach Karthago nach zu urteilen, den Pres-
bytern gelungen sein, an der Regierung der Gemeinde neben den
Diakonen teilzunehmen, und nun schreibe nicht mehr „ein Diakon“ (!)
sondern der Presbyter Novatian. Ist diese Beweisführung zwingend,
ergibt der Brief ein Zeugnis für die überragende, auf Fabian zurück-
gehende Stellung der römischen Diakonen und dafür, daß in Rom der
Diakonat nur zum Bischof gehörte, während er außerhalb Roms als
untergeordnetes Ministerium dem Bischof und den Presbytern beigesellt
war? Harnack sucht seine Deutung durch anderweitige Nachrichten
über Anmaßungen der Diakonen zu stützen. An solchen fehlt es nicht,
(vgl. auch den oben 8. 293 erwähnten Bericht über die Vorgänge bei
der zwiespältigen Wahl von 419, bei der sämtliche Diakonen zusammen
mit einer Minderheit von Presbytern auf einer Seite standen). Aber
müssen Klagen über die lactantia levitarum, speziell der römischen
(Pseudoaugustinische Quaestio 101), notwendig verfassungsrechtliche
Unterlagen haben, können sie sich nicht auch ohne solche aus zeitweiliger
persönlicher Überhebung erklären? Can. 18 der großen Synode von Arles
(Friedrich Räuchert „Die Kanones der wichtigsten altkirchlichen
Concilien“, Freiburg i. Br. 1896 8. 28f.): De diaconibus urbicis, ut non
sibi tantum praesumant, sed honorem presbyteris reservent, ut sine con-
scientia ipsorum nihil tale faciant, wird sich ja wohl auf die stadt-
römischen Diakonen beziehen (vgl. can. 19), braucht es aber nicht und
wird ebenso oft auf städtische Diakonen überhaupt gedeutet; auch wird
auf demselben Konzil auch sonst über Anmaßungen und Eigenmächtig-
keiten nicht nur von Diakonen (can. 15), sondern auch von Priestern
und Diakonen (can. 21) Klage geführt. Doch kehren wir zu unserem
römischen Briefe zurück. Cyprian antwortet darauf in ep. 9 an die
römischen Presbyter und Diakonen und bemerkt, in ihm nec qui
scripserit nec ad quos scripserit significanter expressum est.
Harnack deutet das als eine verhüllte Rüge. Aber kann es nicht
auch wörtlich gemeint sein, wie es dasteht? Und läge es, wenn man
dies nicht annehmen will, nicht näher, den Brief, wie die späteren von
einem Presbyter geschrieben waren, als von einem Diakon ausge-
gangen zu vermuten, nämlich von dem Bischofsdiakon? Sowohl da,
wo er (8. 970) von den Diakonen als bischöflichen Kabinettssekretären
und davon spricht, daß in Rom der Bischof regelmäßig aus dem kleinen
Kreise der Diakonen gewählt worden sei, als auch an anderer Stelle
(8. 972 Anm. 2), wo er bemerkt, ein Diakon als primus inter pares, ja
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XL. Kan. Abt. IX. 20

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer