Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 275
der Dienst, ursprünglich freiwillig übernommen, nun eine
ihnen infolge der Einflußnahme der Landesfürsten auf ihr
Bistum obliegende Pflicht war1), daß also das, was anfäng-
lich Ursache zur Ausdehnung der landesfürstlichen Hoheit,
nun Wirkung der erlangten Herrschaft war. Durch vertrag-
lich festgelegte Verpflichtungen gestanden die Bischöfe den
Landesfürsten militärische Unterstützung zu 2), woraus leicht
ein dauerndes Recht des Stärkeren abgeleitet werden konnte.
Wie die geistlichen Reichsfürsten die führenden Ämter in
der königlichen Kanzlei und Kapelle innegehabt hatten, so
bekleideten Bischöfe von Gurk, Seckau, Lavant diese Ämter
in der Kanzlei und Kapelle der österreichischen Landes -
fürsten.3)
Eine natürliche Verbindung bestand zwischen den
Bischöfen von Gurk, Seckau, Lavant und dem Lande, in
dem ihr Sprengel und der größte Teil ihrer Besitzungen
lagen. Sie kam zum Ausdruck in der Betätigung der Bi-
schöfe am politischen Leben des Landes. Schon im 13.
Jahrhundert erschienen die Bischöfe häufig auf den Landes-
taidingen4), in denen außer Rechtssachen auch politische

So gebot 1490 Maximilian dem Bischof von Lavant, mit Pferden
und Kleidern zum Kaiser sich zu verfügen und seine Geschäfte so ein-
zurichten, daß er auf vier Wochen abwesend sein könne, weil der König
ihn in „pottschaft“ senden wolle, Tangi, 1. c., 204.
2) Chmel, S B. Wien. Ak. 22, S. 44, Anm. 2. Tangi, 1. c., 102.
Vgl. die Hilfe, die der Bischof von Seckau dem Herzog Albrecht I. von
Österreich in den Fehden mit Iwan von Güssing leistete, Österr. Reim-
chron., 1. c. V1; S. 331, v. 25125-25130.
3) So war Bischof Heinrich von Gurk secretarius des Herzogs
Friedrich des Schönen, Dipl. Styr. II, S. 143, nr. 14, ebenso Bischof
Dietrich von Lavant, Lang, 1. c., S. 171, nr. 226. Bischof Heinrich
von Lavant war Kaplan Rudolfs IV., Tan gl, 1. c., 121. Bischof Sigmar
von Seckau war Kaplan des Herzogs Emst, Muehar, Geschichte der
Steiermark VII (1864), 132. Von Bischof Paul von Gurk (1351) an,
mit dem die ununterbrochene Reihe der habsburgischen Kandidaten
auf dem Gurker Stuhl beginnt, haben die Gurker Bischöfe in persön-
lichen Diensten der österreichischen Herzoge gestanden, B. Schroll,
Series episcoporum Gurcensium.
4) Krones, Beitr. z. Kde st. Gqu. 2, 8. 67, nr. 42; S. 68, nr. 60/3a;
8. 71, nr. 64; S. 76, nr. 88. Krones, Landesfürst, Behörden und Stände
des Herzogtums Steier 1283—1411, 1. c., S. 208.

18*

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer