Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 271
der ihn bestätigt. Hinsichtlich der Einweisung in die
Temporalien wurde bestimmt: der vom Erzbischof ernannte
und belehnte Bischof muß sich vor dem Landesfürsten
einfinden und um die Temporalien des Bistums nachsuchen,
deren Erteilung erfolgt, wenn er jenem als „seinem und des
Stifts Gurk rechten und einigen Landsfürsten und Erb-
vogtherrn" einen Revers des Gehorsams- und Gegenwärtig-
seins und eine Verschreibung „mit darinnen angehängten
ferneren Verbindungen, wie es seine Vorfordern getan",
ausgestellt hat. Von nun ab hatte der Gurker Bischof zwei
Herren, von beiden erhielt er die Temporalien seiner Kirche.
Ihre Übertragung geschah durch landesfürstliche und erz-
bischöfliche Kommissäre in der Art, daß die landesfürst-
lichen Kommissäre das Haupturbar des Bistums mit da-
raufgelegten Schlüsseln dem Bischof übergaben und die
vom Erzbischof Beauftragten diese Handlung wiederholten.1)
Den Lehnseid leistete jeder Bischof allein dem Erzbischof,
der „dominus directus“ der Temporalien blieb.2) Der vom
Landesfürsten oder vom Erzbischof ernannte, vom Erz-
bischof bestätigte, von den Kommissaren beider investierte
Bischof erhielt vom Erzbischof die Weihe.
Durch diesen Vergleich verzichtete der Salzburger Erz-
bischof auf seine ausschließliche Herrschaft über Gurk und
gestand dem Landesfürsten ein verfassungsmäßiges Recht
an der Besetzung des Gurker Stuhls und die Oberhoheit
über die Temporalien des Bistums zu.3) Ein vollständiger

x) Juvavia, 260. 2) Ibidem.
8) Über einige Punkte, z. B. das Regalien- und Spolienrecht, die
auf Grund der geänderten Eigentumsverhältnisse auch hätten festgesetzt
werden müssen, enthält der Vergleich nichts. Hinsichtlich des Spolien-
rechts war es bei den österreichischen Landesfürsten nicht „zur Aus-
bildung eines förmlichen Rechtsanspruchs “gekommen, Srbik, 1. e., 195,
sondern nur zu einigen Versuchen, den Nachlaß der Geistlichen sich
anzueignen, was des Erzbischofs Verfügung 1426, Chmel, Friedrich IV.,
S. 554, Beil. XVIII verhindern sollte: . . . statuimus et ordinavimus,
ut quociens dicta ecclesia Seccoviensis pastoris fuerit solacio destituta,
prepositus . . . aliquem probum atque fidelem ex canonicis dicte ecclesie
. . . destinare non obmittat recepto primitus ab eo iuramento . . . quod
. . . omnia bona per defunctum presulem derelicta una cum familia epi-

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