Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 263
ralien dieser Kirchen unter die Hoheit des Landesfürsten.
Denn hatte der Landesherr erst einen ihm ergebenen Mann
auf den Bischofsstuhl gebracht, so war es für ihn leicht,
durch Zugeständnisse des neuen Bischofs die Temporalien
des Bistums in seine Gewalt zu bekommen. Diese Brechung
des materiellen Rückhalts der Kirche war eine der Haupt-
tendenzen des Landesfürstentums. Sie gelang ihm schritt-
weise durch Gewalt und durch Vereinbarungen mit den
geistlichen Inhabern: durch Öffnungsverträge mit den
Bischöfen bemächtigten die Landesfürsten sich der mili-
tärisch wichtigsten Punkte, der Burgen der einzelnen Bis-
tümer, durch Gehorsamsreverse und Bündnisverträge be-
kamen sie die Bischöfe und die Besitzungen ihrer Kirche
noch mehr in die Hand, durch Gehorsamszusicherung der
Bischöfe auch während der Sedisvakanz bereiteten sie die
Übernahme der Temporalienverwaltung vor, von der sie
dann zur Einweisung des neuen Bischofs in den Besitz,
über den sie nun das Obereigentum hatten, fortschritten.1)
Der 1351 mit dem Bistum Gurk pro vidierte Bischof
Paul, der diese Berufung der habsburgisch-ungarischen
Freundschaft verdankte2), gelobte 1353 dem Herzog Wi-
brecht, mit allen seinen Festen gewärtig zu sein, Burg-
grafen und Pfleger auf die fünf bedeutendsten Festen nur
nach des Herzogs und seiner Erben Willen zu setzen und den
Burggrafen die Öffnungspflicht in ihren Eid zu geben, „als
desselben unsers Herrn des herezogen behausten leuten“.3)
Einen energischen Angriff auf die weltliche Oberhoheit Salz-
burgs über Gurk unternahm Herzog Rudolf IV. Im Jahre
1360 erhielt der Gurker Bischof Johann, Rudolfs Kanzler4),

x) Srbik, i. e., 62ff. a) Lang, Acta, 8. LV.
®) Lichnowsky, Habsburg III, Reg. nr. 1652; Srbik, 64. Srbik
führt, unter Hinweis auf das angeführte Regest bei Lichnowsky, den
Herzog Rudolf als Empfänger dieser Urkunde des Bischofs an. Es ist;
jedoch anzunehmen, daß die Urkunde für Herzog Albrecht ansgestellt
ist, wie Lichnowsky angibt, zumal da auch Rudolf zur Zeit der Aus-
stellung der Urkunde in den habsburgischen Stammlanden weilte, Huber,
Geschichte des Herzogs Rudolf IV. von Österreich, 177.
l) Über die Tätigkeit Johanns im Dienste Rudolfs siehe Lang,
1. e., S. XLVIIff.

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