Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 257
war das Interesse der Bischöfe und der Herzoge gemein-
sam gewesen, christlich - deutsche Kultur in ihren Ge-
bieten weiter vorzuschieben und im Innern des Landes
zu verästeln. Damals war die landesfürstliehe Politik auf
die freundschaftliche Haltung der Bischöfe hingewiesen.
Später aber, als die Landeshoheit immer kräftiger auf ihre
Ziele hinarbeitete, entstand ein Interessenkampf zwischen
Landesfürsten und Kirche, bei dem erbitterte Gegnerschaft
nicht ausbleiben konnte.1) Das Streben der österreichischen
Herzoge ging, wie das aller Landesfürsten, dahin, durch
Unterwerfung des in ihrem Machtbereich befindlichen kirch-
lichen Besitzes unter ihre Landeshoheit und durch Beseiti-
gung der aus diesem Besitz stammenden Rechte eine Herr-
schaft über das Kirchengut und seine Inhaber zu gewinnen,
die auf den aus der landesobrigkeitlichen Stellung als solcher
fließenden Rechten begründet war.2) Indem nun die öster-
reichischen Landesfürsten die kirchliche Gewalt in ihrem
Territorium auf das Gebiet der Spiritualien einzuschränken
und die Temporahen unter die Oberhoheit und die Bedürf-
nisse des Staats unterzuordnen suchten, kennzeichnet sich
damit ihre Stellung zu den jüngeren Salzburger Suffragan-
bistümern nicht so sehr als ein Bestreben, die Rechte dieser
kirchlichen Anstalten einzuschränken, vielmehr galt es, die
weltliche und kirchliche Oberhoheit Salzburgs über diese
Bistümer zu beseitigen. Die Landesfürsten nahmen also
die Tendenzen des Gurker Bischofs und seines Domkapitels
auf, die enge Verbindung zwischen Salzburg und seinen
Eigenbistümern zu lösen.* * * * 8)
Von einem ersten Eingreifen des Landesherrn in die
Verhältnisse eines jüngeren Salzburger SufEraganbistums
hörten wir bei der Begründung Seckaus, das den Plan
Herzog Leopolds VI. durchkreuzte, von sich aus ein Lan-
desbistum zu errichten. Das Streben nach einem oder
mehreren Landesbistümern erfüllte auch die Nachfolger
x) Mitis, österreichisches Urkundenwesen, 80.
a) Srbik, Staat und Kirche, 28.; K. Rieker, Die rechtliche
Stellung der evangelischen Kirche Deutschlands in ihrer geschichtlichen
Entwicklung bis zur Gegenwart (1893), S. 33 ff.
8) Hirn, Gurk, 55.
Zeitschrift für Rechtst eschiohte - XL. Kan. Abt. IX.

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