Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 245
Bistümer kraft päpstlicher Verfügung1), entgegen der ersten
Absicht Eberhards.2) Während die Bischöfe von Chiemsee,
Seckau, Lavant den Erzbischof in der Erzdiözese ausschließ-
lich der in ihr bestehenden Sprengel der Eigenbistümer
vertraten, stand dem Gurker Bischof die Stellvertretung
des Erzbischofs in der ganzen Erzdiözese zu, auch in den
Diözesen Chiemsee, Seckau, Lavant, soweit es sich um die
Ausübung der erzbischöflichen Jurisdiktion handelte.3) In
der Zeit des Salzburger Interregnums hat Bischof Diet-
rich von Gurk die Rechte eines Salzburger Erzbischofs
ausgeübt.4)
In dem Verhältnis zwischen dem Erzbischof und seinen
Eigenbischöfen war von Wichtigkeit die Stellung dieser
Bischöfe zur Erzbischofs wähl. Ursprünglich gehörte der
Gurker Bischof nicht zu den Wahlberechtigten, weder zu
denen, die gewohnheitsrechtlich die Wahl des Erzbischofs

*) Salzb. UB. III, 8. 200, nr. 692; 8. 241, nr. 726: Gurcensis autem
episcopus qui vicarius Salzburgensis antistitis in sua dyocesi esse dino-
scitur, in illo quoque sit episcopatu vicarius, quantum archiepiscopalis
exigit iurisdictio, ne in hoc ecclesia ius ipsius grave dispendium paciatur.
2) Vgl. die Verfügung Friedrichs II., Salzb. UB. III, 8. 162, nr. 657:
. . . indulsimus ei episcopum qui citra montes archiepiscopi Salzburgensis
existat vicarius, was doch wohl auf einen Wunsch Eberhards zurückgeht.
3) Der Erzbischof verbriefte dies Vorrecht noch ausdrücklich dem
Gurker Bischof für das Bistum Seckau, Mon. Carinth. I, 8. 373, nr. 485.
Die Stellvertretung des Erzbischofs wurde später nach Territorien ge-
ordnet: der Seckauer Bischof war Generalvikar für die Episkopaljuris-
diktion des Erzbischofs in> Steiermark und demWiener-Neustädter Di-
strikt, der Lavanter in Kärnten. Der Bischof von Gurk war General-
bevollmächtigter für die Gesamtheit der Gerechtsame des Metropoliten,
ein Recht, „das mit der Zeit sein Dasein nur in Urkunden noch fristete,
da die österreichischen Landesfürsten mit Erfolg bestrebt waren, diese
Gerechtsame des Salzburger Erzbischofs als eines ausländischen Kirchen-
fürsten zugunsten seiner inländischen Generalvikare einzuengen“, Kuiiej,
Joseph II., 112. Der Bischof von Chiemsee war nicht Generalvikar des
Erzbischofs in dem bayrischen Teil der Erzdiözese. Hier war die erste
Hilfskraft des Ordinarius in der Leitung der Diözese das Offizialat oder
Generalvikariat, das u. a. das Archidiakonat Chiemsee umfaßte und von
einem aus mehreren Mitgliedern bestehenden Ratskollegium ausgeübt
wurde, Hübner, Archidiakonatseinteilung, 68.
4) Mon.Carinth.il, S. 116, nr. 672; Potthast 19325. Mon. Ca,r
rinth. II, S. 105, nr. 668.

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