Full text: Volume (9 (1919))

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Wilhelmine Seidenschnur,

Johann, der das Bistum Chiemsee mit dem von Gurk
vertauscht hatte1), ist der Gurker Bischof vom König als
Reichsfürst betrachtet worden. Johann stand in engen
Beziehungen zu Rudolf, er war sein familiaris2), einer der
Räte Rudolfs, der im diplomatischen Dienste des Königs
eine nicht unwichtige Rolle spielte3), sogar zum Reichsvikar
in Toskana mit dem Kanzler Rudolf von Hoheneck ernannt
wurde.4) Es ist erklärlich, daß diesem Manne vom König
Rechte zugestanden wurden, die in seinem persönlichen
Verhältnis zum König, nicht in seiner Stellung als Bischof
von Gurk begründet waren.5) So gehörte Bischof Johann
zu den deutschen Fürsten, die 1279 durch Ausstellung von
Willebriefen6) gleichsam Bürgschaft leisteten für die von

*) Potthast 21585. Die Wahl Johanns zum Bischof von Gurk
erfolgte nicht in der 1232 festgesetzten Art, Mon. Carinth. I, S. 418,
nr. 638, sondern die Gurker Domherren stellten, allerdings mit aus-
drücklicher Wahrung ihres Rechts, dem Erzbischof nach erfolgtem Vor-
schlag die Wahl frei, Hirn, Gurk, Beil. XII, 8. 91. Urkundlich ist von
einer Einflußnahme Rudolfs auf die Wahl nichts überliefert.
2) BR. 973.
3) BR. 1193 a, 1256. Vgl. ferner Mittigen aus dem vat. Arch.,
hrsg. von der Kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. I: Aktenstücke
zur Geschichte des Deutschen Reichs unter den Königen Rudolf I.
und Albrecht I. (1889), 8. 240 u. 243.
4) BR. 1252.
5) Ähnlich hatte im 12. Jahrhundert der Bischof Roman I. von
Gurk, von dem die Gurker Chronik, 88. XXIII, 9 28 sagt: multo tempore
strenue archiepiscopatum rexit, kraft seiner Persönlichkeit und seiner
Tätigkeit eine seine Stellung weit überragende Bedeutung. Siehe Mon.
Carinth. I, 8. 141, nr. 151; 8. 173, nr. 223; 8. 174, nr. 226; 8. 186, nr. 242.
Daß an der Person des Johann das erhöhte Ansehen haftete, geht z. B.
daraus hervor, daß er als Bischof von Chiemsee 1274 den Nürnberger
Reichsabschied, der wichtige, die Gerichtsbarkeit über Fürsten betref-
fende Bestimmungen enthält, die „eine besondere Beglaubigung durch
die anwesenden Fürsten wünschenswert erscheinen ließen“, Ficker,
Reichsfürstenstand II, 138, mitbesiegelte, M. G. LL. IVg, 8. 59, nr. 72,
sein Nachfolger auf dem Chiemseer Stuhl aber nicht zu den Fürsten
gerechnet wurde, die Rudolfs Landfrieden für Bayern 1281 beschwören
sollten, BR. 1348.
6) Mittigen aus dem vat. Arch. I, 8. 194, nr. 197. In der Form
der Mitbesiegelung eines Willebriefes hatte Johann noch als Bischof
von Chiemsee seine Zustimmung zu Rudolfs Verhalten gegenüber dem
Papst bezeugt, BR. 1071.

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