Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 225
sie sowohl ihrem Bischof als auch dem Erzbischof verbun-
den, sie waren sowohl Gurker, Chiemseer, Seckauer, La-
vanter Ministerialen als auch Salzburger.1) Bei Ungehorsam
des Bischofs gegen seinen Herrn, den Erzbischof, erteilte
dieser den von ihrer Lehnstreue gegen den Bischof entbun-
denen Ministerialen die Lehen.2)
Da die jüngeren Salzburger Suffraganbischöfe ihre
Temporalien aus der Hand des Erzbischofs empfingen,
gehörten sie nicht zu den Reichsfürsten, weil für diese die
Investitur durch das Reich ein Erfordernis war.3) Auch
für das erste Jahrhundert des Bestehens von Gurk kann
man für seinen Bischof keinen Reichsfürstenstand an-
nehmen — wenngleich auch dem Bischof, da der Kreis
der Fürsten noch nicht festbegrenzt war, entsprechend
seiner bischöflichen Würde einzelne fürstliche Rechte4) und
der Titel eines Reichsfürsten5) bisweilen beigelegt worden
sind — da auch zu jener Zeit bei Bischöfen und Äbten für
ihre Zugehörigkeit zum Reichsfürstenstand ihre Reichs-
Unmittelbarkeit entscheidend war.6) Da nun aber die
jüngeren Salzburger Suffraganbischöfe das, was ihnen an
Burgen, Ministerialen, Münze und Maut, Gefällen und
andern öffentlichen Rechten7) zugewandt würde, als Re-
galien besitzen sollten8), unterliegt ihre Einbeziehung in den

1) Mon. Carinth. I, S. 418, nr. 538: . . . archiepiseopus Salzpur-
gensis recipiet . . . tam capitulum quam ministeriales in favorem di-
lectionem fidem et gratiam suam ad promovendum eos et benefaciendum
eis et ad fovendum eos et defendendum in omnibus sicut ministeriales
eeclesie Salzpurgensis. Der Erzbischof war Berufsinstanz für sie. Vgl.
P. Kluckhohn, Die Ministerialität in Südostdeutschland vom 10. bis
zum Ende des 13. Jahrhunderts, in Zeumer, Quellen und Studien IV
'(1911), S. 66.
2) Mon. Carinth. I, 8. 412, nr. 530; BF. 1830.
3) Ficker, Reichsfürstenstand I, 271.
4) Mon. Carinth. I, S. 93, nr. 58. Abgesehen vom Vogtwahlrecht
gelangte aber der Bischof nicht in den Besitz der hier verbrieften Rechte.
5) L. c. I, S. 174, nr. 226. 6) Ficker, Reichsfürstenstand I, 93.
7) Die Übersetzung von ,,publicas functiones“ durch Krones,
Steiermark, 134 mit „welcherlei Frohndienste es sonst gäbe“ ist nicht
ganz glücklich.
8) Salzb. ÜB. III, S. 250, nr. 731; BF. 958: . . . si quis procedente
tempore vel castra vel ministeriales monetas et thelonea vectigalia
Zeitschrift für EeclitsgoscMchto. XL. Kan. Abt. IX. 15

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