Full text: Volume (9 (1919))

Reichs- u. kirchenrechtl. Stellung d. Salzburger Eigenbistümer. 215
die Regalien allein dem Erzbischof zufallen, bis er selbst
dem unbesetzten Stuhl wieder einen Hirten gibt.1) Bei
Sedis Vakanz der Eigenbistümer fiel also die Verwaltung
der Besitzungen dieser Kirchen an den Grundherrn zurück,
der ihre Temporalien meist durch einen Administrator
verwalten ließ.2) In dem oben erwähnten Kampf Eberhards
gegen den widerspenstigen Bischof Ulrich von Gurk er-
mächtigte König Heinrich (VII.) den Erzbischof3), was
Friedrich II. wiederholte4), die Regaliensperre über Gurk
zu verhängen, wenn der Bischof in seinem Ungehorsam
verharre. Auch das Spolienrecht stand den Salzburger
Erzbischöfen zu: Erzbischof Ortolf von Salzburg verzichtete
1363 auf die Hinterlassenschaft des verstorbenen Bischofs
Peter von Lavant zugunsten seines „lieben Freundes Herrn
Heinrich, erwählten Bischofs von Lavant“.5)
Seitdem die Investitur als eine Belehnung mit Mann-
schaft betrachtet wurde, war die Stellung des Salzburger
Erzbischofs zu seinen vier jüngeren Suffraganbischöfen die
des Lehnsherrn zu seinen Mannen.6) Erzbischof Eberhard

1) Salzb. UB. III, I. c.: Volumus eciam, ut vacantibus eisdem
sedibus regalia ad solum archiepiscopum respectum habeant, donec
ipse vacanti ecclesie in pastore provideat. Kraft dieses Rechts verfügte
Erzbischof Philipp in der Zeit der Sedisvakanz Seckaus über Zehnten,
die der Seckauer Kirche gehörten, indem er sie zu Lehen ausgab, Zahn
III, 8. 125, nr. 65.
. 2) Tangi, Lavant, 346. So nahm Bischof Georg Stobäus von
Lavant 1585 bei seinem Amtsantritt die Temporalienverwaltung dem
Propst von Lavant ab, Stepischnegg, Georg III. Stobaeus von Palm-
burg, Fürstbischof von Lavant, A. ö. G. 15 (1856), 8. 80. Der Propst
hatte häufig das Amt des Administrators der Temporalien bei Sedis-
vakanz inne, Tangl, 317.
3) Mon. Carinth. I, 8. 398, nr. 515; BF. 4093: Gurcensi episcopo
dedimus in mandatis per nostras litteras, ut tibi fidelitatem faciens
investituram regalium a te recipiat, ut tenetur, et si facere hoc forte
rennuerit, tibi facultatem plenam atque licentiam tribuimus omnia
iura regalium in castris monetis ministerialibus et fidelitate fassallorum
Gurcensis ecclesie subtrahendi.
4) Mon. Carinth. I, 8. 410, nr. 528; BF. 1832.
6) Tangi, Lavant 119.
8) So bekräftigte der Gurker Bischof Johann in seinem Revers
1552, daß er vermöge der Privilegien der Kirche rechter Vasall und

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