Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (9 (1919))

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Wilhelmine Seidenschnur,

schöfen nicht einen so kleinen Sprengel und so schmale
Einkünfte zu geben, daß sie in Armut gerieten.1)
Die mit der Prüfung der Angelegenheiten beauftragten
Geistlichen berichteten dem Papst das Ergebnis der Unter-
suchung, der nach Feststellung aller erforderlichen Voraus-
setzungen für die geplante Gründung die Entscheidung
fällte. Die Größe der Diözese wurde bei allen drei Bistü-
mern auf eineinhalb Tagereisen, die jährlichen Einkünfte
eines jeden Bischofs auf 300 Mark (Silber) festgesetzt.2)

1) Salzb. UB. III, 8. 227, nr. 714.
2) Salzb. UB. III, 8. 200, nr. 692; 8. 241, nr. 726; Potthast
5843. Mon. Carinth. IVx, 8. 147, nr. 1886; Potthast 7449. Die Größe
des Sprengels war sehr gering, „man gewinnt den Eindruck, er sei nur
deshalb zugeteilt «worden, weil jeder Bischof eine Diözese haben muß“,
KuSe j, Joseph II., 111. Zu der schwankenden Größe von einer dieta
vgl. Friedrich Ludwig, Untersuchungen über die Reise- und Marsch-
geschwindigkeit im 12. und 13. Jahrh. Für die Festsetzung der Größe
einer dieta kann hier als Grundlage die Angabe Eberhards dienen,
Herrenchiemsee liege zwei Tagereisen von Salzburg entfernt, Salzb.
UB. III, 8. 200, nr. 692. Danach ergäbe sich eine dieta von ungefähr
30 km. Auch die Einkünfte waren sehr karg bemessen. Mit Hilfe der
Taxe, die die Bischöfe bei Provision oder Bestätigung durch den Papst
an die Kurie zahlen mußten, kann man einen Schluß auf die Höhe des
Einkommens der Bischöfe machen. Die Taxe, die ein Drittel des Gesamt-
einkommens betrug, vgl. E. Göller, Der liber taxarum der päpstlichen
Kammer, Quellen u. Forschungen aus ital. Archiv, u. Bibi., 8. Bd. (1905),
128, war für die drei Bistümer nicht die gleiche, wie man meinen sollte.
Danach hatte der Seckauer Bischof das höchste Einkommen — das
bei A. Lang, Acta Salzburgo-Aquilejensia, Quellen zur Geschichte der
ehemaligen Kirchenprovinzen Salzburg und Aquileja, Bd. I (1903 u.
1906), 8. 616, nr. 862, Anm. 1 berechnete ist nicht zutreffend — dem
die Einkünfte des Bischofs von Chiemsee wenig nachstanden. Die des
Lavanter Bischofs waren kümmerlich. Nach der Taxe geschätzt, hätten
sie ein Zehntel des Einkommens des Seckauer Bischofs betragen müssen.
Daß man aber doch nicht ohne weiteres die Taxe zur Berechnung der
bischöflichen Einkünfte zugrunde legen kann, lehrt folgendes Beispiel:
Der Lavanter Bischof Dietrich gab 1320 dem Papst die Höhe seines
Einkommens aus den Mensalgütern auf höchstens 700 Goldgulden an,
Lang, 1. c., S. 47, nr. 33. Bischof Peter von Lavant zahlte 1357 als
servitium commune aber nur 60 fl., Lang, S. 416, nr. 571a, also nicht
ein Drittel, sondern knapp ein Elftel. Das Einkommen des Lavanter
Bischofs erreichte längst nicht die von Eberhard angegebene Höhe.
Einen Schluß auf die tatsächlichen Einkünfte der Bischöfe könnte man

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