Full text: Volume (9 (1919))

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Wilhelmine Seidenschnur,

Fast anderthalb Jahrhunderte vergingen, da folgte
Erzbischof Eberhard von Salzburg dem Beispiele Gebhards
und errichtete in seiner Diözese die Bistümer Chiemsee,
Seehau und Lavant, bei deren Gründung der Erzbischof
die Stiftung Gurks sich vollständig zum Muster nahm.
Eberhard war eine der glänzendsten Erscheinungen
des Episkopats der Staufer, als Reichsfürst wie als Erz-
bischof gleich hervorragend.1) Seine schwäbische Abkunft
Wies ihn zum Anhang der Staufer hin, doch in den kriti-
schen Jahren des Thronstreits verstand er es mit diplo-
matischem Geschick, ohne offenen Bruch mit Innocenz IV.
auszukommen.2) Es war für einen ehrgeizigen mächtigen
Fürsten wie Eberhard natürlich, großen Anteil an den
Angelegenheiten des Reichs zu nehmen3), und ganz selbst-
verständlich, die Gunst der damaligen Verhältnisse zu einer
planvollen Territorialpolitik zu benutzen. Seitdem im
12. Jahrhundert die Anschauung auf gekommen war, daß
die Bischöfe die Temporahen, die als einheitliche Masse
galten4), vom Reich zu Lehen trugen5), hatte sich im
Einmündung des Glödnitztals in das Gurktal, das Glödnitztal aufwärts
bis zur obengenannten Bergkette nördlich des Metnitztals. Zu der Grenz-
beschreibung siehe österreichische Generalkarte 1: 200 000, Blatt Klagen-
furt. Vgl. ferner die Karte bei Hübner, 1. c. Die Karte bei I. R. KuSej,
Joseph II. und die äußere Kirchen Verfassung Innerösterreichs, Kirchen-
rechtliche Abhandlungen, hrsg. von U. Stutz, Heft 49 u. 50 (1908),
Tafel I gibt die Größe des Bistums nach 1773 an, als der Millstätter
Distrikt an das Bistum gekommen war, Kusej, 1. c., 33.
*) Hirn, Eberhard II., 35.
2) Krabbo, Babenberger, 11.
3) Im Jahre 1202 ging Eberhard als Führer der Gesandtschaft
nach Rom, um den Protest einer Anzahl Fürsten gegen die Einmischung
des Kardinallegaten in ihr Wahlrecht zu überbringen. Besonders als
Vermittler war Eberhard tätig, z. B. 1207 und 1208 zwischen Philipp
von Schwaben und Otto IV., 1230 zwischen dem Papst und Friedrich II.,
1232 zwischen dem Kaiser und Heinrich (VII.), 1233 zwischen diesem
Und dem Herzoge von Bayern und 1239 zwischen Friedrich II. und dem
Herzoge von Österreich. Über Eberhard vgl. die Biographien von Hirn
im Jahresbericht des k. k. Obergymnasiums zu Krems 1875 und von
Gruber im Burghauser Programm 1877—79, ferner H. Widmann,
Geschichte Salzburgs, Bd. I (1907), 293ff.
4) J. Ficker, Vom Heerschilde (Innsbruck 1862), 66.
5) Ficker, Reichskirchengut, 133ff.

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