Full text: Volume (9 (1919))

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Rudolf Schaefer,

müsse.ai) . . . Solche Zustände mußten mit andern, die wir
vorhin berührt, einen fruchtbaren Boden für die Yersetzung

*) Dedeken 1. c. 8. 694. Auch das Konsilium derselben Fa-
kultät vom 9. September 1600 mußte dem Versuch eines Rates „in
einer fürnehmen Stadt“, das Ministerium von der Wahl der Geist-
lichen ganz auszuschließen, entgegentreten (eod. nr. 3 8. 694 f.) und
die Bedencken der theologischen Fakultäten von Jena (vom 11. Ok-
tober 1622) und Helmstedt (vom 8. Februar 1623) eod. nr. 4 8. 693 ff.;
nr. 5 8.704f. mußten auf das Ansuchen eines Fürsten die elemen-
tare Wahrheit, die den Städten entschwunden war, wieder in
deren Gedächtnis zurückrufen, daß „die Observantz, so etwann für
Jahren üblich gewesen, billich der Kirchenordnung, welche mit grossen
wohlbedachten Rathe gestellet und zu Gottes Ehren und der Kirchen
aedification gerichtet, auch durch öffentlichen Druck, wie wir es dafür
halten, an Tag gegeben“, daß daher alle „der allegirten aber un-
erwiesenen Observantz ungeacht E. F. Gn. R. Kirchenordnung
nachzugehen“ hätten und „daß solches billich und mit unterthänigem
Gehorsam, ohn alle Contradiction und Tergiversation geschehen
müsse“ (Dedeken 8. 704), denn wenn „Consuetudines mehr gelten
selten, würden fast aile Kirchenordnungen cum limitatione accep-
tiret und in vielen Stücken annulliret werden. Endlichen bezeugen
wir, daß wir der Herren Theologen zu Jehna wohlgestellte Antwort
(eod. 8. 695—704) in allen Punkten uns Wohlgefallen lassen und appro-
biren dieselbe unweigerlich“! (1. c. 8. 705). So sehr theoretisch die Be-
teiligung der Gemeinde bei den Pfarrwahlen nach den drei Ständen
für richtig gehalten wurde, so wurden doch die Versuche der Konsi-
storien, eine wirkliche Votierung der Gemeinde herbeizuführen und
entgegenstehende Observanzen abzuschaffen, auch noch später regel-
mäßig von den juristischen Fakultäten abgewiesen. So hatte die
Hallenser Fakultät um das Jahr 1730 die Frage der Gültigkeit der
electio ministrorum ecclesiae non consulto populo facta zu entscheiden.
Auf den Nachweis hin, daß seit 1540 die Predigerwahlen so erfolgt
waren, daß concione facta der Bürgermeister durch den Stadtsekretär
die Stimmen der Ratsherren, der Prediger, der Hospital- und Kirchen-
vorsteher protokollieren ließ und den per majora Gewählten sofort
voziert und dem Konsistorium präsentiert hatte, wurde das Verlangen
desselben, „die ganze Gemeinde bey den Predigerwahlen ad votandum
zu dimittieren“, für rechtlich nicht relevant erklärt, da es dem Magi-
strat zum Präjudiz und zur Schmälerung seiner Rechte gereichen
würde (vgl. J. G. Heineccii Jure Gons. Consilio . . . Decisiones et
responsa juris 1744. Resp. 53 8. 420ff.), und ebenso entschieden die
Wittenberger Juristenfakultät ungefähr um dieselbe Zeit (vgl*
a Wernher, Selectae observationes forens. II [1738] pars 9 observ. 155
8. 539f.) und die Helmstedter Juristenfakultät in einem Falle aus dem
Anfang des 18. oder Ende des 17. Jahrhunderts, in dem die Wahl ohne

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