Full text: Volume (9 (1919))

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Rudolf Schaefer.

fället, nicht ohne merckliche Zerrüttung und Ergernüß der
Kirchen und Eingepfarreten: Als hat zuforderst die Christ-
liche Obrigkeit jedes Orths sich dißfals ihres Amts, daß
sie nicht allein politice Regenten, sondern auch nutritii
Ecclesiae seyn sollen, zu erinnern und dahin mit Fleiß und
förderlichst zu trachten, wie zu Christlicher endlicher, gründ-
licher und beständiger . . . Einlegung und Abschaffung der
fürfallenden Irrungen und Mißverstände und dagegen zu
Stifftung und Wiederaufrichtung Christlicher heilsamer Cor-
respondentz, Brüderlicher, friedlicher Vereinigung . . ., so
neben reiner Rehre zu Erbauung der Kirchen Gottes zum
höchsten von nöthen, ersprießliche und heilsame Mittel zu ge-
brauchen und für die Hand zu nehmen.“ Er empfiehlt der
Obrigkeit, „mit Zuziehung eines reinen fürnehmen, fried-
liebenden Theologi ... in Gegenwart der fürnehmsten Raths-
personen und Aeltesten der Kirchen“ . . . mit jeder „Person
des Ministerii absonderliche Unterredung“ zu pflegen und
„darauf ihre richtige und deutliche Erklärung“ zu vernehmen
und zu protokollieren. „Hieneben ein jeder gleichfalls ab-
sonderlich zu befragen, daß er frey und ohne Scheu anzeigen
wolle, was er an einer oder andern Personen im Ministerio
für Mängel und Fehl habe, worin und aus was Ursachen“ x)
und dabei festzustellen, ob ihre Lehre in den einzelnen
Punkten mit dem Konkordienbuch übereinstimme oder von
ihm abweiche. Dann sollen sie alle zusammen aufgefordert
werden, ihre abgegebenen Erklärungen „in Gegenwart der
andern, deutlich und unterschiedlich, affirmative et negative,
in thesi et Antithesi“ zu wiederholen und zu bestätigen, und
„mit Ernst anzumahnen, alle sämt und sonderlich ein(zu)wil-
ligen und sich mit Hand und Munde (zu) verpflichten . . .,
daß sie von allen Lehrpunkten publice et privatim also und
nicht anders als obgedacht halten, lehren und reden wollen
. . . und mit Stillschweigen nichts übergehen, oder in sus-
penso bleiben lassen wollen“. „Zum dritten können .. . die
personalia, was eine Zeitlang her mit einem und dem anderen
fürgelauffen, in Verhör gezogen, und daß einer dem anderen
dießfalls fraterne condoniren und sie fortan in Brüderlicher

l) Dedeken 1. c. 8. 962.

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