Full text: Volume (9 (1919))

Die Yersetzbarkeit der Geistlichen usw.

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in die Mauen und Ermel geredet, noch im finstern ge-
mauset, mit heimlichen verdecketen Worten, sondern als ge-
treue Hirten jedermänniglichen den Wolflf unter seinem
weißen Schaafspeltz entdecket, mit Fingern gewiesen und
für ihn gewarnet, doch mit fleissigem Bericht und Unter-
scheid zeitlicher weltlicher Sachen, so zu diesem Leben und
den ewigen Sachen, so zum ewigen Leben gehören.“1) . . .
Dieses Beispiel zeigt deutlich, daß das Strafamt überhaupt
wie der Nominalelenchus und sein Gebrauch auch gegen die
Obrigkeit insbesondere eine Quelle von Konflikten war, die
durch Versetzung oder Enturlaubung gelöst wurden. „Es ist
auch der Schad,“ bezeugte Johann Wigand2) 1564, „daß ein
frommer Prediger von der Kirchen weggestossen würdt dar-
umb, daß er die nötigen Werck seines Beruffs gethon, viel
geringer, denn daß er dableibe und were im straffen säumig,
beschwert sein und anderer Gewissen. Werden nur Wende-
hälse und Wetterfahnen und Hanen, Meister, Leisentretter und
Lugensäcke an jre statt gesetzet, da mögen die Stiffter Zu-
sehen, was rechtschaffen und gut gewesen, beschont mehr eines
trewen Predigers Leiden, denn eines Säumigen gegenwerti-
gen Wolfahrt“ . . . „Die entliehe Meinung aber ist diese,
daß man ohne allen zweiffei nicht besser thun kann, denn
dem Göttlichen Wort mit rechtem Ernst und trewen nach-
folgen und was zu erhalten ist, auß der Welt rette, obgleich
die andern darüber schnurren und kurren, das befehl man
Gott. Paulus sagt: Wann ich den Menschen noch gefällig
were, so were ich Christus Knecht nicht. Es ist ja das
rechte Zeichen und Zeugenuß der Warheit, wenn man dem
Teuffel durch Gottes Geist und Wort auff die Schwarten
greiflft, daß er sich streubet, sprüet und zürnet. Dargegen ist
mächtig grosse Gefahr darbey, wann der Teuffel still ist und
leit an der Sonnen und ferchet wie ein Schwein, das sich im
Drecke gewältzet hat. Wenn auch gleich Haß und Neid,
Verfolgung auch leichtlich auch würgen hernach folget, so
*) Dedeken 1. c. 8. 1032.
2) In seinem „Bericht, ob und wie diejenigen, so im ordenlichen
Predigampt seind, nach und mit Gottes Wort falsche Lehre und Lehrer,
Sunde und Sünder straffen und die Büßpredigt thun sollen“ bei Felix
Bidembach, Sammlung Theol. Bedenken Decas II (1605) S. 262.

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