Full text: Volume (9 (1919))

Die Versetzbarkeit der Geistlichen usw.

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dann . . . mehr besagte Ministri würden befunden, daß solches
ihr wohlgemeyntes conniviren der Wahrheit zum Nachtheil
gereichen und ihnen successu temporis anderes mehr . . . wolte
zugemuthet werden, daraus zu erspüren, was hierunter ge-
suchet worden, ibi ne ad momentum quidem cedere opor-
tebit: Sondern sollen die Ministri in solchem falle ehe leyden,
was ihnen Gott zu leiden zuschicket. 6. Deßgleichen auch
... da man die Ministros bey ihrem Erbieten, darbey sie
sich aller Christlicher Bescheidenheit wissen zu gebrauchen,
nicht bleiben lassen, sondern ihnen per mandatum pu-
blicum et per modum coactionis auflegen wolte, sich des
Nahmens der Calvinisten gäntzlich zu massigen: Können
reine Theologi nicht sehen, wie man sich des Ortes propter
notorium praejudicium zu pariren ergeben solte.“1) . . . Also
auch hier 'nur ein sehr bedingtes freiwilliges zeitweises Ein-
stellen des Nominalelenchus, aber kein Yerzicht auf ihn trotz
des Zugeständnisses, daß er nicht zur Substanz der Lehre ge-
hört, sondern lieber leiden um des Gewissens willen und aus
und für die Überzeugung.
Wie weit die Forderungen mancher Geistlicher gingen,
zeigt der Umstand, daß sie die Yerhängung der öffent-
lichen Buße auch in solchen Fällen selbst da durchsetzen
zu sollen glaubten, wo wohl Gerüchte über einen Beschul-
digten umgingen, er aber „den Fall nicht allerdinges ge-
stehet“. Auch hier nahmen die Freunde oder Yorgesetzten
der Bedrängten oder die Geistlichen oder ganze Ministerien
zu der Erbittung eines Konsiliums ihre Zuflucht. Die publica
confessio sive deprecatio war an sich ein unbestrittenes
kirchenordnungsmäßig feststehendes Rechtsinstitut, aber seine
Anwendung setzte — wie analog im damaligen Strafprozeß —
das Geständnis voraus. „Und halten wir,“ sagt die Rostocker
Theologenfakultät in ihrem Bedenken2) vom Juli 1568, „die
Christliche Kirchenzucht, darinnen auch die öffentliche de-
nunciation oder Yersühnung eines öffentlichen Sünders mit
der Christlichen Gemeine, die er geärgert hat, für eine nütze
und heilsame und in Gottes Wort wohlgegründete Ordnung,
deren wir auch in diesen Kirchen um vieler hochwichtigen

*) Dedeken 1. c. 8. 863.

2) eod. sectio III nr. 8 8. 873 f.

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