Full text: Volume (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

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Für die Papstwahl kamen nur die Bestimmungen
Alexanders III. in der Dekretale Licet de vitanda, nicht
der Kanon Quia propter des vierten Laterankonziles und
die sich an denselben anschließende spätere Gesetzgebung
in Betracht; es war allgemein anerkannt und ist niemals
bestritten worden, daß der Kanon Quia propter sich auf
die Papstwahl gar nicht beziehe und daß die Bestimmungen
des c. Quia propter und die „forma generalis concilii“ für
das Kardinalkollegium nicht verbindlich seien.1) Fand
auch herkömmlicher Weise ein geheimes Skrutinium statt,
so konnte doch bei dem an dessen Publikation sich an-
schließenden, in offener Abstimmung sich vollziehenden
Akzesse jeder Kardinal, der bereits bei der Wahl Stimmen
erhalten hatte, sich selbst die Stimme geben, wie dies unter
der gleichen Voraussetzung auch bei einer Kompromiß wähl
oder sonst einem, nicht in geheimer Abstimmung (scruti-
nium secretum, privatum), sondern per scrutinium publi-
cum sich vollziehenden Wahlvorgange als zulässig galt.
Die Frage, inwiefern die Abstimmung zu eigenen Gunsten
statthaft ist und ob die Entscheidung der Wahl durch die
eigene Stimme des Gewählten erfolgen kann, mußte für die
Papstwahl nachdenseiben Grundsätzen beurteilt werden, wie
bei anderen kirchlichen Wahlen, bei denen die Wähler nicht
an die Normen des Kanon Quia propter gebunden sind.
Manche halten es deshalb gar nicht für notwendig, die Frage
die Behauptung der Glosse, daß nach den im c. Cumana enthaltenen
Angaben über das Stimmenverhältnis nur deshalb keiner der beiden
Kandidaten die Mehrheit erlangt habe, weil ein zu eigenen Gunsten
abgegebenes Votum nicht mitgezählt werde, ist ebenso willkürlich als
belanglos.
x) Man vgl. unter den Älteren etwa Goffredus de Trano, Summa
Decretal. tit. de elect. n. 13, Brix. 1605, fol. llb, ferner Bernardus Com-
postellanus (s. unten Beilage II), Hostiensis, Summa aurea tit. de elect.
n. 18 fol. 28b, Lectura in Decretal. lib. I beim c. Licet 6 X. de elect.
v. A duabus fartibus und v. constituitur, ed. cit. fol. XXXIII, XXXIIIvo,
Durantis (Cod. D fol. 129, Ausg. fol. 7vo) im „Tercium speciale“, und so
auch alle folgenden — kein Satz konnte unbestrittener feststehen, als
das „nonum speciale [in electione papae]: quod a iure nulla forma est
tradita in ista electione . . ., unde possunt cardinales eligere, ut volunt,
dummodo consentiant duae partes“ (so Panormitan beim c. Licet 6 de
elect. n. 8, edit. Venet. 1617 fol. 110).

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