Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

VI

Studien verdankte Thaner seine hervorragenden Kenntnisse
in der lateinischen Sprache, die er vollkommen beherrschte,
wie jene gediegene Vorbildung in den historischen Hilfs-
wissenschaften, welche den Ausgaben Thaners, überhaupt
seinen Arbeiten im Gebiete der Quellen und der Literatur
des Mittelalters Vorzüge sicherten, deren sich nur wenige
rühmen können.
Thaners besonderes Interesse für das Studium des
Kirchenrechts, dem er ja später seine Lebensarbeit auch
in erster Reihe gewidmet hat, führte ihn schön vor seiner
Promotion nach Berlin, um die Vorlesungen des — damals
freilich schon schwerkranken — Richter (f 8. Mai 1864) zu
hören und sich im kanonischen Rechte weiter auszubilden.
Rücksichten auf seine Gesundheit zwangen ihn jedoch, den
Berliner Aufenthalt vorzeitig abzubrechen und in die Heimat
zurückzukehren; nach seiner Erholung zunächst durch meh-
rere Jahre als praktischer Jurist tätig, konnte er gleichzeitig
seine Habilitation vorbereiten. Im Monate April des Jahres
1871 an der Grazer Universität als Privatdozent des Kirchen-
rechts zugelassen, wurde er auch im Sommersemester dieses
Jahres sofort mit der Supplierung der erledigten Lehrkanzel
seines Faches betraut und nach Ablauf des Semesters
(Allerh. Entschl. vom 3. Sept. 1871) als außerordentlicher
Professor an die Innsbrucker Universität berufen, wo er,
am 17. Januar 1877 zum ordentlichen Professor des Kirchen-
rechts ernannt, bis zum Ende des Sommersemesters 1888
tätig war. Mit allerhöchster Entschließung vom 5. Juni
1888 an die Grazer Universität berufen, hat er hier bis zum
Schlüsse des Sommerhalbjahres 1907 sein Lehramt fort-
gesetzt, und er ist dieser letzten Stätte seiner akademischen
Wirksamkeit auch im Ruhestande bis an sein Lebensende
treu geblieben.
Als Mann der Wissenschaft war Thaner eine durchaus
selbständige Persönlichkeit von individuellem Gepräge; ein
„vierte Kurs“ des (1864 gegründeten) Institutes für österreichische Ge-
schichtsforschung zählte Thaner zu seinen sechs „ordentlichen Mit-
gliedern“; als solche waren wie Heinrich Brunner, auch der Historiker
Zeißberg und der bekannte Wiener Journalist Karl Felix Köhler Studien-
genossen Thaners.

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