Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

15. Erwiderung

Literatur.

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Vorstehende Entgegnung haben wir dem bei unserer Zeitschrift
beobachteten Brauche gemäß Herrn Professor Br. H. von Voltelini zur
Kenntnisnahme zugeschickt. Er sandte uns eine Erwiderung, die im
folgenden zum Abdruck gebracht wird. Zugleich erklären wir damit
die Auseinandersetzung in dieser Zeitschrift für geschlossen.
Für die Red. A. Werminghoff.
Erwiderung.
Die vorstehende Entgegnung von Frau Dr. Georgine Holzknecht
kann mein Urteil über ihr Buch in keiner Weise verändern. Es bleibt
dabei, daß die Verfasserin die naturrechtliche Literatur des 18. Jahrh.
nicht kennt, daß sie den überragenden Einfluß Hontheims übersehen
hat, daß sie es unterlassen hat, sich aus den gangbaren Handbüchern
auch nur ein flüchtiges Bild der geistigen Entwickelung auf dem Boden
des Staats*, Verwaltungs- und Kirchenrechts zu verschaffen, daß ihr
die Geschichte der Gesetzgebung und Verwaltung in Österreich, Preu-
ßen, den anderen deutschen und außerdeutschen Staaten in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrh. unbekannt geblieben ist und daß sie daher von
dem Einfluß des Naturrechtes keine Ahnung hat, daß Mönche und
nicht Geistliche säkularisiert werden, daß die Verleihung der Testier-
fähigkeit an Exmönche und Exnonnen mit den Amortisationsgesetzen
nichts zu tun hat usw., daß also der Verfasserin die nötigen Vorkennt-
nisse fehlen, um ihren Vorwurf lösen zu können, was inzwischen auch
Wolfgang Windelband in der Historischen Zeitschrift 115 8. 643 f.
festgestellt hat. Die Entdeckung des Realpolitikers mit den fixen
Ideen sei der Verf. noch außerdem herzlich gegönnt.
In eigener Sache bemerke ich noch, daß es mir nie eingefallen
ist zu behaupten, den Einfluß des Naturrechtes auf die Verwaltung
des aufgeklärten Absolutismus entdeckt zu haben, daß ich Beidtel,
Jäger und Friedberg bereits zu einer Zeit studiert habe, in der die
Verfasserin wohl noch kaum das Licht der Welt erblickt haben dürfte,
endlich daß ich während meiner langjährigen Amtstätigkeit im Haus-,
Hof- und Staatsarchiv in Wien nicht nur die Romana verwaltete, son-
dern aus Anlaß zum Teil amtlicher Arbeiten einen großen Teil der
Staatsratsakten, die sich auf die kirchlichen Reformen Josephs II. be-
ziehen, und einen Teil derselben Akten für noch unveröffentlichte
Forschungen zur Geschichte des bürgerlichen Rechts in Österreich
neuerdings erst vor wenigen Jahren durchgenommen habe, also nicht
bloß nach der Literatur, sondern aus Kenntnis der Akten urteile. Wie
aber die Verfasserin die Akten benutzt hat, habe ich in meiner Be-
sprechung zur Genüge dargetan.
Wien.

H. von Voltelini.

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