Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Literatur.

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gestreift hatte. Vgl. 8. 42. Überdies muß ich die Frage aufwerfen, welche
Lehren des rationalistischen Naturrechtes Deutschlands der Josefinismus
eigentlich nach V. aufgenommen habe? Daß Josef II. kein Anhänger
der Lehre vom Gesellschaftsvertrag, sondern vom Gottesgnadentum war,
mußte zugegeben werden; die Behauptung, daß Josef, die Beamten und
die Publizistik sich nur einer Formel bedienten, widerspricht dem Sinn
der Quellenstellen; Belege für diese seine Ansicht hat der Bef. seinerseits
nicht erbracht.
Daß der Souveränitätsbegriff des josefinischen Staatsrechtes der
des französischen Absolutismus ist: Bodinus, Bossuet usw., habe ich
quellenmäßig nachgewiesen; absolutistische Ansätze, Tendenzen finden
sich in Österreich schon sehr früh, längst vor der Entfaltung des deutschen
rationalistischen Naturrechtes; viele österreichische Staatsmänner waren
begeisterte Anhänger Ludwigs XIV. und seines Systemes schon unter
Leopold I.; wer wollte aber etwa behaupten, daß die Politik des Fürsten
Kaunitz von der Naturrechtslehre Deutschlands aus orientiert war ? Das
Verhältnis von Staat und Kirche war durch österreichische Spezial-
Verhältnisse seit Ausgang des Mittelalters vorbereitet; das Rüstzeug zur
Polemik fand man bei den Legisten usw.; ich habe die Werke und die
Parallelstellen zitiert. Beim deutschen rationalistischen Naturrecht konnte
man aus dem oben besprochenen Grunde keine oder doch nur ganz be-
scheidene Anleihen nehmen; übrigens finden sich auch nirgends im Akten-
material Hinweise dafür. Was bleibt nunmehr als eventueller Einfluß
des Naturrechtes Deutschlands ? Daß die Monarchen sich als Diener des
Staates be zeichneten. Wie stellt sich der Inhalt dieses Dienerbegriffes
zum tatsächlich herrschenden und in den Reformen sich auswirkenden
Souveränitätsbegriff? Contradictio in adjecto. —
V. behauptet ferner, daß ich Nikolaus Hontheim nicht in seiner
Bedeutung erkannt hätte. Tatsächlich war Hontheim (Febronius) Kom-
pilator aus Legisten, Gallikanem usw., was ihm schon zu seiner Zeit
nachgewiesen wurde; auch wurden — was für die Frage nach den Quellen
des Josefinismus von viel größerer Bedeutung ist — Berufungen auf
Hontheim im Staatsrate, selbst von Kresel, abgelehnt. —
Weiter: Muratori schöpfe aus Wolff. V. scheint jene Kapitel
übersehen zu haben, wo Muratori sich gegen „die Luftschlösser“ wendet,
„welche die deutschen Philosophen Leibniz und seine Schule bauen“.
Frappierend ist die Bemerkung des Ref., daß Eybel, Heinke, Rauten-
strauch von keiner wissenschaftlichen Bedeutung gewesen seien. Aber
darauf kommt es doch hier nicht an. Heinke, Eybel usw. waren Refe-
renten im geistlichen Fach (Näheres S. 11 A. 5 und 8. 16 A. 1); auf Grund
ihrer Vorschläge werden die meisten Verordnungen in publico-ecclesiastico
gemacht; es handelt sich hier doch nicht um die wissenschaftliche Be-
deutung, sondern um die praktische und politische Wirksamkeit dieser
Männer, um ihren Einfluß auf den Gang der Gesetzgebung und der
Ereignisse und dieser war ein hervorragender.
In seiner Studie betonte V. ausdrücklich den hervorragenden Ein-
fluß Martinis auf die Reformen — ich wandte mich dagegen —, nun

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