Full text: Volume (6 (1916))

Literatur.

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Schwierigkeit verbunden gewesen; ein einfacher Abdruck würde hin-
gereicht haben. Anders aber gestaltete sich die Sache, wenn, wie durch-
aus notwendig, auch die Debatten selbst nach den Amoldischen Auf-
zeichnungen mit veröffentlicht werden sollten. Denn diese Aufzeichnungen
sind sehr flüchtig und bestehen zumeist nur aus kurz hingeworfenen
Sätzchen, zu deren Verständnis man die betreffenden Beratungsgegen-
stände stets genau vor Augen haben muß. Ein wörtlicher Abdruck der-
selben konnte daher allein nicht genügen. In Anbetracht dessen hielt
ich es für das beste, jeden Beratungstag für sich zu behandeln, zu Anfang
die gefaßten Beschlüsse neben den angezogenen Artikeln der Koblenzer
Zusammenkunft zu stellen, dann den betreffenden Teil des Tagebuchs
folgen zu lassen und daran die Aufzeichnungen über den Gang der De-
batten in zusammenhängender Darstellung unter möglichster Beibehaltung
der Worte Arnoldis zu reihen. Auf diese Weise erhält der Leser ein klares
Bild der Kongreßverhandlungen, wie sie sich Tag für Tag abspielten“
(S. 5f.).
Infolge der hier eingeschlagenen Methode werden also die neuen
Quellen zum Teil in bereits verarbeiteter Gestalt dargeboten; das ist zu
bedauern und mindert den Wert des Buches. Dazu kommt, daß der
Herausgeber es unterlassen hat, bei den einzelnen von ihm mitgeteilten
Aktenstücken, die bereits früher veröffentlicht wurden, auf diese Ab-
drücke hinzu weisen und deren Wert zu bestimmen. Es wird dadurch
der irreführende Eindruck hervorgerufen, als ob das gesamte vorgelegte
urkundliche Material jetzt zum erstenmal zugänglich gemacht würde.
Daß die Emser Punktation mehrfach abgedruckt worden ist, braucht
nicht erst nachgewiesen zu werden, aber auch manches andere Stück
ist längst bekannt, vgl. beispielsweise das Schreiben der Erzbischöfe an
Kaiser Josef II. vom 8. September 1786, Hohler 8. 168f. — E. Münch,
Vollständige Sammlung aller ältern und neuem Konkordate, Leipzig
1830, I 8. 419ff.; das Schreiben des Kaisers an den Bischof von Speier
vom 16. November 1786, Hohler S. 188 — M. Stigloher, Die Er-
richtung der päpstlichen Nuntiatur in München und der Emser Kon-
greß, Regensburg 1867, 8. 291; das Schreiben des Kaisers an die
Erzbischöfe vom gleichen Tage, Hohler S. 190, vgl. Münch I S. 422;
das Schreiben des Kurfürsten von Mainz an Josef II. wegen der neuen
Nuntiatur in München vom 22. September 1785, Hohler 8. 275, vgl.
Stigloher S. 261 und die Antwort des Kaisers, Hohler S. 277, vgl.
Stigloher 8. 263. Damit hängt zusammen, daß der Verfasser darauf
verzichtet hat, festzustellen, welche wirklich neuen Erkenntnisse uns
durch die vorliegende Publikation vermittelt werden. — Die allgemeinen
Ausführungen in den ersten Kapiteln des Buches sind zwar sehr loyal,
aber darum zum Teil nicht weniger anfechtbar, vgl. die Beurteilung des
päpstlichen Finanzwesens S. 10. 18 und Luthers 8. 19. — S. 5 Mitte lies :
Anlage XVIII statt Anlage XIV.
Göttingen. Carl Mirbt.

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