Full text: Volume (6 (1916))

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Literatur.

dem Oberbürgermeister kraft Amites und zehn gewählten Beisitzern zu-
sammensetzt und aus seiner Mitte einen dreiköpfigen Verwaltungsaus-
schuß — Generalsuperintendent, Oberbürgermeister, ein gewähltes Mit-
glied — bildet. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Kultus-
ministerialabteilung, die an die Stelle des aufgehobenen Konsistoriums
getreten ist, durch Einberufung einer Versammlung sämtlicher stimm-
berechtigter Mitglieder einen Beschluß der gesamten Kirchengemeinde
herbeiführen. Damit ist die Ablösung der Kirchengemeinde nun auch
praktisch vollzogen. Immerhin lebt die Anteilnahme der politischen Ge-
meinde am örtlichen Kirchenwesen noch fort in der Mitgliedschaft des
Oberbürgermeisters als solchen im Kirchenvorstand und im Verwaltungs-
ausschuß, während das in der Kirchengemeindeordnung vorgesehene
Mitbestimmungsrecht bei Erhebung von Kirchensteuern und Aufnahme
von Darlehen nur ein im Interesse der Leistungsfähigkeit der politischen
Gemeinde gegebenes Außenrecht, nicht ein im Rahmen der kirchlichen
Verwaltungstätigkeit selbst liegendes Recht bildet. — Auch der Ent-
stehung der katholischen Kirchengemeinde in Altenburg widmet Uhie-
mann am Schluß eine kurze Erörterung. Ihre rechtliche Vollexistenz
wurde erst durch ein Gesetz von 1876 begründet.-
Die Dissertation von Rost weiß aus Saalfeld für die Zeit vor der
Reformation von einem kirchlichen Wirken der Stadtgemeinde nichts zu
vermelden. Die Reformation selbst dagegen erscheint in den städtischen
Quellen bereits durch und durch als Angelegenheit der politischen Ge-
meinde, und ohne Ausgliederung einer besonderen Kirchengemeinde
besetzte der Rat die Kirchenämter und verwaltete er den Kirchkasten,
wie auch bei Unzulänglichkeit des letzteren die Bürgerschaft vermittels
eines umzulegenden „Handgeldes“ die Baulast trug. Die Ausbeute an
lokalgeschichtlichen Tatsachen und Vorgängen, die in dieser Richtung
liegen, ist nicht groß; Verfasser arbeitet mehr mit deduktiver Über-
tragung der Ergebnisse aus Niedners brandenburgischen Untersuchun-
gen. Nach innen blieb der ortskirchliche Zustand auch später im wesent-
lichen unbeeinflußt von der landesherrlichen Machtentwicklung. Erst
die Sachsen-Meiningensche Kirchengemeinde- und Synodalordnung vom
4. Januar 1876 brachte eine selbständige, von der politischen Gemeinde
losgelöste, mit Kirchenvorstand und Gemeindeversammlung organisierte
Kirchengemeinde. Als kommunaler Rest ist nur ein kleiner jährlicher
städtischer Beitrag zur Kirchkasse, dessen nicht einmal abgerundeten
Betrag Verf. nicht zu erklären vermag, zurückgeblieben.1)
Freiburg i. Br. Alfred Schultze.
1) Ein weiteres Thema thüringischer Kirchenrechtsgeschichte, freilich
nicht lokal-, sondern territorialgeschichtlichen Inhalts, behandelt die gleich-
falls aus Niedners Schule stammende Jenaer jurist. Dissertation: Rudolf
Zeissner, Staat und Kirche im Fürstentum Reußj. L. 1915.

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