Full text: Volume (6 (1916))

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Heinrich Singer,

ders III. Licet de vitanda (c. 6) — die Frage behandelt,
ob die Stimme des Gewählten zu seinen Gunsten ent-
scheiden könne.1)
Meiner Ansicht nach hat Innocenz IV. die von ihm
geplante Dekretale Quia frequenter überhaupt nicht als
Gesetz kundgemacht, oder es ist wenigstens die vielleicht
vom Papste als Promulgation betrachtete Mitteilung der
geplanten Konstitution im engeren Kreise der wahlberech-
tigten Kardinale und seine!* Ratgeber an der Kurie in der
Folge nicht als rechtsverbindliche Promulgation anerkannt
worden. Nach dem Berichte des Bemardus Compostellanus,
welchem Durantis ohne Bedenken sich anschließt2), und
vor allem mit Rücksicht auf die Tatsache, daß, wie wir
sehen werden, das im Konklave versammelte Kardinal-
kollegium, dem Hostiensis angehörte, (ebenso wie dieser in
seinen literarischen Arbeiten) das c. Quia frequenter ein-
fach ignoriert hat, daß ferner derselbe die Aufgabe des
„Wahlkanons“ als eine noch ungelöste betrachtet, Fragen
und Zweifel im Widerspruche mit diesem angeblichen Ge-
setze Innocenz’ IV. entscheidet, darf man wohl ohne weiteres
annehmen, daß die Bestimmungen des c. Quia frequenter
vom Kardinalkollegium überhaupt niemals als verbindliche
Rechtsnormen betrachtet worden sind. Die der Kurie nicht
unmittelbar nahestehenden Kreise der Schule aber hatten
wohl damals von dem Reformprojekte oder der Dekretale
Innocenz’ IV. vermutlich überhaupt noch keine Kenntnis3),
und auch später, nachdem ihnen diese „Extravagante“ bei

2) Wir werden auf diese Aussprüche Innocenz’ IV. noch in anderem
Zusammenhänge eingehender zurückkommen müssen.
2) Der eine und der andere war Kapellan und Auditor am päpst-
lichen Hofe, Bernhard von Compostella vordem auch noch in einem be-
sonderen, engeren persönlichen Verhältnisse zu Innocenz IV.» aber keiner
von beiden findet ein Wort des Tadels oder ein Argument zur Wider-
legung derjenigen, welche der angeblichen Dekretale Quia frequenter die
Gesetzeskraft absprechen.
3) Dies gilt auch von Schriftstellern, welche den seit Innocenz IV.
erlassenen Novellen besondere Beachtung gewidmet haben und diese ein-
gehender behandeln; wie wir sehen werden, kennen auch Abbas antiquus
und Boatinus, dessen Dekretalenkommentar erst nach dem Jahre 1274
verfaßt ist, das c. Quia frequenter nicht.

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