Full text: Volume (6 (1916))

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Literatur.

hunderts; Festschrift zum 50jährigen Doktorjubiläum C. G. v. Wächters,
1872, 8. lf.).
Im ganzen ist Hoppes Buch sorgfältig, in glattem Stil1) und mit
dem „Rüstzeug historischer Kritik“ geschrieben, mit welchem Verfasser
nach seiner eigenen Angabe gewappnet ist (S. VI des Vorworts; er
hätte es freilich nicht zu sagen brauchen, der Leser findet es schon
selbst heraus). Es arbeitet mit dem gesamten gedruckten und ungedruck-
ten Material. Überall ist die einschlägige Literatur herangezogen, auch
bei an sich entfernt liegenden und mit dem Buch nur lose zusammen-
hängenden Materien. Auffallend ist, daß die Disposition nicht nach ein-
heitlichem Prinzip aufgestellt ist. Das testimonium idoneitatis, das Ver-
fasser sich ja selbst ausgestellt hat, verleitet ihn dazu, leicht ein wenig
absprechend über die Leistungen anderer zu urteilen (vgl. z. B. außer
dem Vorwort noch 8. 10 Anm. 52; 8. 14 Anm. 10; 8. 125 Anm. 71;
8. 171 Anm. 61); doch soll diese Ausstellung selbstverständlich die Wür-
digung seines Buches nicht beeinträchtigen. Dessen Wert liegt in erster
Linie auf wirtschaftsgeschichtlichem Gebiet. Ein Urkundenanhang, ein
sorgfältiges Register und zwei Karten des Klosterbesitzes erhöhen seine
Brauchbarkeit.
An Einzelheiten wäre nur folgendes zu bemerken:
8. 17: Die Erklärung „für die Lichter“ ist zu eng; mit luminaria
wird allgemeiner die Kirchenfabrik bezeichnet.
8. 76 Anm. 73: Der „abendtt Thomae apostoli“ ist der 20. Dezember,
nicht der 21., es ist die Vigilia s. Thomae; vgl. das Datum der Urkunde
Nr. 47 im Anhang, 8.264f., von 1548: „mitwochs am abendt ascensionis
Domini“.
8. 114 Anm. 14 muß es wohl 1221 heißen statt, wie dort irrtümlich
steht, 1121.
8. 200 Anm. 82: Sollte der „professor von Lenynn“ nicht auf einem
Druck-. Lese- oder Schreibfehler für „profeß“ oder „professus“ beruhen ?
Das Wort „averunstich“ in der Urkunde von 1470 (Anhang Nr. 24,
8. 227 f., „uns is vortyden eyn leybruder unsers cloesters uns und deme
orden averunstich geworden, und.siene wonunge und nharunge
bie juw in juwer stad hebben sal. so wie bericht sin“ schreibt der Abt
an Bürgermeister und Rat von Zerbst), für das Verfasser, wie er 8. 98
Anm. 50 bekennt, keine befriedigende Erklärung zu geben vermag (er
trennt es in „aver“ = abermals, und „unstieh“ und macht zur Erklärung
des letzten Wortes Anleihen bei dem mittelniederdeutschen „unstichtich“
------ unerbaulich), kommt von „av“ mit dem Bindelaut e ----- ab, und „run-
stich“ von „rannen“ ----- rinnen, fließen (Schiller-Lübben, Mittelnieder-
deutsches Wörterbuch III, 1876, 8.532, s. v.; vgl. die „blutrünstige
Wunde“ oder „Blutranst“ im mittelalterlichen Strafrecht, davon noch
heute „blutrünstig“; analog: „günstig“ von gönnen, „brünstig“ von
brennen — Feuersbrunst, inbrünstig —, „Kunst“ von können), es be-
deutet also „abrinnend“, „wegfließend“, übertragen „abgeirrt“, „untreu“,

l) Nur auf 8. 203 findet sich eine Entgleisung.

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