Full text: Volume (6 (1916))

Literatur.

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zur Exemtionsgeschichte der Zisterzienser (in dieser Zeitschrift, Kanonist.
Abt. IV 1914 8. 74f.) zu vergleichen. Infolge päpstlichen Privilegs erhob das
Kloster die an sich dem Bischof zustehenden kirchlichen Zehnten von
seinen Besitzungen. Die Äbte erhielten zu Ende des Mittelalters den usus
pontificalium und die Befugnis, ihren Novizen die niederen Weihen zu
erteilen; Verfasser sagt 8. 117, daß dadurch das Weiherecht des Bischofs
ganz beiseite gedrängt worden sei; das ist ein Irrtum, denn die Priester-
weihe, die die Mönche im Spätmittelalter schon ebenso wie heute allgemein
empfingen, konnte nur der Bischof erteilen. Die auf 8. 76 ausgesprochene
Meinung des Verfassers, das 15. Jahrhundert sei für die innere und häufig
auch die äußere Geschichte des Zisterzienserordens eine Zeit des schlimm-
sten Verfalls gewesen, ist doch wesentlich einzuschränken; erinnert sei
an die aus dem Orden selbst geborene strenge Kongregation von Sibculo,
die seit Anfang des 15. Jahrhunderts in Holland und Westfalen verbreitet
war, an die zahlreichen bei Winter angeführten Neugründungen, die
doch ein verfallener Organismus nicht mehr hervorzubringen vermag
(Zinna selbst hat ja damals mit Dobrilugk und Lehnin einen Konvent
in Ungarn neu besetzt), an die Reformen unter Nikolaus von Cues u. a.;
ja, Zinna stand nach dem Urteil des Verfassers (8. 77) im 15. Jahrhundert
äußerlich achtunggebietend da, die Verwaltung wurde ordentlich geführt
{Landbücher von 1471 und 1480), Neubauten entstanden und im Kloster
herrschte geistige Regsamkeit; zahlreiche Mönche besuchten die nahe-
gelegene Leipziger Hochschule, vereinzelt begegnen sie auch in Greifs-
wald und später in Frankfurt und Wittenberg; im Kloster selbst war
eine Druckerei.
8. 81 f. bringt Verfasser zum erstenmal eine dokumentarisch fun-
dierte Abtsreihe, die auch nach der ständegeschichtlichen Seite hin unter-
sucht wird; es begegnen meist Bürgerliche, das Kloster rekrutierte sich
vorwiegend aus der nächsten Umgebung, dem Jüterboger Lande.
Bei einer Besprechung in der Zeitschrift für Rechtsgeschichte gilt
es, den rechtsgeschichtlichen Ertrag des Buches festzustellen: er ist
hier, wieder im Gegensatz zu der genannten Bäuerischen Untersuchung,
gering; es lag allerdings ja auch nicht in der Absicht des Verfassers,
einen Beitrag zur Rechtsgeschichte zu schreiben. Als einziges kommt
vielleicht die in den Quellen (8. 39 Anm. 40) begegnende Auffassung in
Frage, daß die Bürger von Treuenbrietzen den Mönchen „Wasser und
Wind verkauft" haben, als Umschreibung für die Mühlengerechtigkeit
des Klosters Zinna in ihrer Stadt. Indirekt liefert das Buch einen Bei-
trag zur Geschichte der Rechtswissenschaft; denn Abt Johannes von
Kolbatz, der Verfasser des dem 14. Jahrhundert angehörenden Speculum
abbreviatum, eines Lehrbuchs des kanonischen Rechts, entstammte dem
Kloster Zinna, wie Hoppe S. 94 mit Recht gegen v. Schulte (Geschichte
der Quellen und Literatur des kanonischen Rechts II, 1877, 8. 254 Anm. 1)
festhält; vorher hatte er in Paris unter den Schülern des Johannes von
Borbonio geweilt (vgl. über ihn die auch von Hoppe beigezogene Unter-
suchung von Muther, Zur Geschichte des römisch - kanonischen Pro-
zesses in Deutschland während des 14. und zu Anfang des 15. Jahr-

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