Full text: Volume (6 (1916))

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Literatur.

richten zu schließen ist, überhaupt nie eine Dekanatsverfassung bestanden
zu haben (§5).
Dekane verschiedener Landkapitel werden in Urkunden des 12.
bis 14. Jahrhunderts erwähnt; dabei ergibt sich, daß die Dekane nicht
nach dem Hauptort der Kapitel, sondern nach ihrer jeweiligen Pfarrei
in demselben benannt wurden (§ 6). Zufällig ist auch schon der Name
eines Landkapitelskämmerers erhalten aus einer Zeit, in der man
urkundlich von Dekanen noch nichts weiß (1200), und im 13. Jahrhundert
begegnen Kämmerer noch zweimal, begreiflicherweise seltener als die
Dekane (§7). Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts treten dann
neue Organe der Ruralkapitel auf, die Prokuratoren (1371), ein Name,
welcher (man darf das positiver betonen, als Krieg es tut) der sich überall
breitmachenden Gerichtsverfassung nach römischem Recht entnommen
zu sein scheint (§ 8).
Am frühesten (1166) ist die Landkapitels Organisation im Arehi-
“diakonat II (Ansbach) verbürgt, hernach im Archidiakonat VII: 1226,
IV: 1236, etwa Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen sogar hier schon
drei Dekane, also auch drei Landkapitel, ferner VI: 1262, VIII: 1290,
V: 1291, X; 1297 (§ 9) und wie die Archldiakonate von vornherein ihre
festen Grenzen hatten, so auch die Dekanate. Letztere lassen sich, wie
gesagt, vollständig erst aus der Ebracher Handschrift des Michael de Leone
von der Mitte des 14. Jahrhunderts ersehen; doch ist es Krieg geglückt,
ein allerdings unvollständiges Register für Erhebung des päpstlichen
Zehnten in der Diözese Würzburg von 1285/6 im Kgl. Kreisarchiv da-
selbst ausfindig zu machen, das wenigstens einen großen Teil der Kapitel
schon für diese Zeit ersehen läßt (§ 10). Was deren Benennung betrifft,
so kam zunächst die nach dem Gau vor; frühzeitig begegnet auch die
nach dem Versammlungsort der Kapitelsgeistlichkeit, welch letzterer
meist wohl der bedeutendste des Kapitels war. „Allein die Bezeichnung
der Dekanate nach dem Kapitelsort war im 13. und 14. Jahrhundert
noch selten, dagegen wurde sie seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts
gang und gäbe" (8. 50). Nach dem Wohnsitz des jeweiligen Dekans aber
wurden die Kapitel im Würzburgischen nicht benannt (§ 11). —
Dem geschichtlichen Teile des Buches folgt ein dritter und letzter,
ein rechtlicher, der die Verfassung genauestens darlegt. Er handelt
naturgemäß zuerst vom Kapitelsdekan (§ 12). Krieg vermag un-
bezweifelbar festzustellen, daß im Bistum Würzburg unter Archipresbyter
immer nur der Archidiakon, nicht der Landdekan verstanden wird und
daß die beiden ersten Ausdrücke in beliebiger Abwechslung füreinander
gebraucht wurden. Diese Feststellung ist wertvoll gegenüber den Zweifeln,
die in letzterer Zeit wiederholt geäußert wurden, und sie hat nun absolute
Klarheit wenigstens für eine Diözese geschaffen. Die Dekanatswürde war
nicht verbunden mit der Pfarrei des Landkapitelssitzes; der Dekan wurde
vielmehr gewählt durch die Kapitelsgeistlichkeit und zwar zunächst aus
den eigentlichen Inhabern der Pfarrpfründen, dann auch aus der Reihe
der vicarii perpetui. Er war Vorstand des Landkapitels und ihm lagen
vor allem verwaltungsrechtliche Befugnisse ob: Vorsitz bei den Ka-

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