Full text: Volume (6 (1916))

Literatur,

437

dem Capitulare de villis, Zürich 1915, 8. 9 und 16, besonders aber den
Artikel von Stäbler, H., Zum Streit um die ältere deutsche Mark-
genossenschaft (Neues Archiv39 [1914], 719ff.). Dies allein schon verdiente
eine eigene Untersuchung. Und so ist es auch mit andern Seiten der
alten Dekansinstitution. Es ist keineswegs völlig richtig, daß, wie Krieg
mit Berufung auf Sägmüller sagt (S. 25), die Dekane nicht eine orga-
nische Fortentwicklung des alten Archipresbyterats seien, sondern eine
selbständige Neuschöpfung; hier flössen tatsächlich doch beide Einrich-
tungen in mehr als einer Hinsicht ineinander bzw. sie sind voneinander
abhängig. Durch die Hinkmarsehen Kapitel sind wir allerdings mit einer
willkommenen Genauigkeit über die Verhältnisse in der Reimser Erz-
diözese unterrichtet; allein wieweit man daraus Schlüsse auf andere Diö-
zesen ziehen darf, ist vorläufig nicht leicht zu sagen. Kurz, es mangelt
für die Zeit bis etwa zum 12. Jahrhundert an Vertiefung. Schuld daran
ist aber vor allem das mangelnde Quellenmaterial; doch ist auch das vor-
handene zuwenig genau durchforscht. Jedenfalls muß man Krieg dank-
bar sein, daß er unsere derzeitigen allgemeinen Kenntnisse als Einleitung
vortrefflich zusammengestellt und selbständig ergänzt hat.
Nach solcher Grundlegung geht Verfasser auf die Würzburger
Verhältnisse ein und behandelt zunächst die „äußere Geschichte
des Instituts der Landkapitel“. Dekanate (im räumlichen, persönlichen
oder sachlich-amtlichen Sinn verstanden) und Kapitel (persönlich in con-
creto oder in abstracto, oder räumlich gefaßt) mit je einem Dekan an
der Spitze tauchen hier aus dem Dunkel der Geschichte erst im 12. Jahr-
hundert auf und zwar in einer Urkunde von 1166, die sofort helles Licht
über das Bestehen und die näheren Verhältnisse derselben verbreitet (§ 2).
Eine vollständige namentliche Aufzählung gewinnt man allerdings erst
aus einer etwa 200 Jahre jüngeren Quelle, aus der sog. Ebracher Hand-
schrift des Michael de Leone. Danach zerfiel das Bistum in 12 Archi-
diakonate, von denen die meisten ein oder mehrere Landkapitel um-
faßten; die Zahl der letzteren betrug 16. Diese Einteilung in Arehi-
diakonate muß aber, wie Krieg bereits früher nachwies (Archidiako-
nate 1914, 16—19), schon im dritten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts
bestanden haben, von der Landkapitelverfassung für Würzburg läßt sich
aber sagen, daß sie sogar seit dem 10. Jahrhundert schon angenommen
werden darf (§ 3), doch gab es im 12. und 13. Jahrhundert weniger Land
kapitei als im 14. Jahrhundert (§ 4), was offenbar mit der Vermehrung
der Pfarreien im Zusammenhang steht.
In der Stadt Würzburg ist es anfangs zur Bildung eines eigenen
Dekanatsbezirkes nicht gekommen. Das hing ebenso mit dem geringen
Umfang des Archidiakonatsbezirkes wie mit dem Vorhandensein der
Domkapitel und der Stifte zusammen. Erst 1251 organisierte sich der
irgendwelchen Kanonikaten nicht einverleibte städtische Seelsorgeklerus
zu einem eigenen, vom Archidiakon (Dompropst) unabhängigen, nur dem
Bischof unterstellten, also exemten Stadtdekanat. Im kleinen Archi-
diakonat Fulda, das zu Würzburg gehörte und bloß jene Stadt und noch
drei Pfarreien umfaßte, scheint, wie aus dem Mangel jeglicher Nach-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer