Full text: Volume (6 (1916))

416

Literatur.

Sommer 1914 von dem Verfasser formulierte Ergebnis hat seither durch
die von dem Prälaten de Waal im März 1914 angestellten und im Jahre
1915 von Styger beschriebenen Ausgrabungen zu 8. Sebastiane eine
glänzende Bestätigung gefunden; die „Memoria" mit Vorraum, worin
seit der Translation von 258 die Gedächtnisfeiern und -mahle für die
Apostel abgehalten wurden, ist durch sie wieder zutage gefördert. Wo
aber waren die ursprünglichen Gräber ? Die in der Passio Petri et Pauli
oder dem „Marcellustext" überlieferte, aber auch von Gregor dem Großen
berichtete Räubergeschichte, wonach der Leichnam des an der via Ostien-
sis enthaupteten und daselbst beim zweiten Meilensteine begrabenen
Paulus sowie die Überreste des „unter der Terebinthe neben der Nau-
maehie an dem Orte, welcher Vaticanus heißt", beigesetzten Petrus von
Männern aus dem Morgenlande gestohlen, diesen aber an einem Orte,
der Catacumbas heißt, beim (Litten Meilenstein auf der Via Appia
abgenommen und vorübergehend begraben worden seien, um nach einem
Jahre und sieben Monaten wieder in die ursprünglichen Gräber überführt
zu werden, wird von Lietzmann in überzeugender Weise als eine Er-
findung erklärt, welche sich die Führer in S. Sebastiano auf Grund der
Damasusinsehrift zurecht gemacht hatten und den Pilgern erzählten.
Auch mit anderen Lokalnotizen kommt man nicht weiter, da sie keine
alte Kenntnis vom Orte der Gräber haben. Hierhin gehört u. a. die
Nachlicht des Liber pontificalis in der Vita Cornelii (251—253): Hic
temporibus suis rogatus a quodam matronam Lucina corpora apostolorum
beati Petri et Pauli de Catacumbas levavit noctu: primum quidem
■corpus beati Pauli acceptum beata Lucina posuit in predio suo via ,
Ostense iuxta locum, ubi decollatus est; beati Petri accepit corpus beatus
Cornelius episcopus et posuit iuxta locum, ubi crucifixus est, inter corpora
sanctorum episcoporum in templum Apollonis, in monte Aureum, in
Baticanum palatii Neroniani III Kal. Jul. Die Matrone Lucina spielt in
einem im fünften oder sechsten Jahrhundert entstandenen Kreise phan-
tastisch ausgestatteter römischer Legenden immer wieder die Rolle, „daß
sie berühmte Märtyrer auf einem ihr zugehörigen Grundstücke begraben"
läßt. Das legt die Annahme nahe, man habe damals eben nur den an
den Grundstücken haftenden Namen der Lucina gekannt und nichts
weiter. „Die Notiz der Comeliusvita über die Translation des Paulus
und Petrus aus 8. Sebastiano nach der via Ostiensis und dem Vatikan
ist unhistorisch, vielleicht durch Kombination der Katakombenführer des
fünften Jahrhunderts an der via Appia entstanden. Sie ist eine Ent-
stellung dessen, was Filocalus vom Jahre 258 berichtet; da man aber
in 8. Sebastiano längst von dem durch Damasus angeblich besungenen
Leichenraub in apostolischer Zeit und der sofortigen Beisetzung der beiden
Apostel in Catacumbas erzählte, so konnte die Translation in der Mitte
des dritten Jahrhunderts nur in umgekehrter Richtung stattgefunden
haben. Da die Kirche 8. Sebastiano ebenso wie die nicht ferne Gruft
des Cornelius mit dem Namen der Lucina verknüpft war, schrieb man
die Überführung der Reliquien der Lucina und dem Cornelius zu." Wohl
aber ergibt das wenige, was wir von den Ausgrabungen der von Kon-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer