Full text: Volume (6 (1916))

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Miszellen.

Hchkeit erst aus den Jahren 1252 bis 1261 und die Gotteshäuser, von
deren Patronat darin die Rede ist, lassen sich erstmals in einer Urkunde
von 1200 im Besitz des Schottenklosters nachweisen.
Nach dem bisher Gesagten dürfte man von vornherein auch in die
Echtheit der Gründungsurkunden von 8. Nikola beiPassau Zweifel setzen,
wenn sie nicht ohnedies bereits als Fälschungen erwiesen wären. Von
Mitis, der sich auch mit diesen Stücken eingehend befaßt hat1), kommt
zu dem Ergebnis, daß das Minus der Altmannurkunde knapp vor 1144
auf Grund alter Notizen2), das Maius nicht lange vor 1288 angefertigt
wurde.3) Inzwischen hat Lothar Groß die Entstehungszeit der ersten
Altmannurkunde noch schärfer begrenzt; er setzt sie zwischen Ende 1138
und dem 30. Mai 1139 an4) und hat hierfür auch die Zustimmung von
Mitis’ gefunden.5) Im Minus wird nämlich ein unter Zustimmung Bischof
Reginberts von Passau (dessen Vorgänger 30. September 1138 verstorben
war) vollzogener Tausch berücksichtigt; anderseits war am 30. Mai 1139
bereits eine Altmannurkunde vorhanden. Wäre diese mit dem Minus
identisch, so würde der Fälscher des Minus als erster den Ausdruck „jus
patronatus“ benützen — und zwar in auffallend früher Zeit: das erste
unanfechtbare Beispiel für die Verwendung dieses terminus findet sich
nämlich, soweit ich sehe, in unserem Gebiete erst mehr als ein halbes
Jahrhundert später, in einer Urkunde Bischof Wolfkers von Passau für
Kremsmünster.6) Nun nimmt aber bereits von Mitis an, daß sich die
Altmannurkunde von 1138/39 nicht vollständig mit unserm heutigen
Minus gedeckt habe, sondern eine erste kürzere Fassung desselben dar-
stelle, die dann um das Jahr 1220 (durch Aufnahme von Bestimmungen
über die Vogtei des österreichischen Landesfürsten) eine Erweiterung
erfahren habe.7) Ähnlich unterscheidet Steinacker drei Redaktionen
der Altmannurkunde; die ursprüngliche Form von 1138/39, das kurz

4) A. a. O. S. 90-100.
2) 8. 99; genauer, daß das in dem Minus enthaltene Güterverzeichnis
einem Besitzstände des Klosters entspricht, wie er nur knapp vor 1144 be-
stand (8. 96).
3) 8. 100. Max Heuwieser, Die stadtrechtliche Entwicklung der Stadt
Passau bis zur Stadtherrsehaft der Bischöfe (Landshut [1910]) 8. 653 lehnt
diese Zeitbestimmung des Minus ab und weist dessen Entstehung in das
erste Drittel des 13. Jahrhunderts. Für unsere Frage besitzt diese Meinungs-
verschiedenheit keine Bedeutung.
4) Lothar Groß, Über das Urkundenwesen der Bischöfe von Passau
im 12. und 13. Jahrhundert. Mitteilungen des Instituts für österreichische
Geschichtsforschung, VIII. Ergänzungsband. Innsbruck 1911, S. 631.
5) Von Mitis, Studien S. 441.
6) (Theoderich Hagn) Urkundenbuch fuer die Geschichte des Bene-
dictiner Stiftes Kremsmuenster (Wien 1852) 8. 61 f. Nr. 48=Urkunden-Buch
des Landes ob der Enns II 8. 457 f. Nr. 313. — In profanrechtlicher Bedeutung
ist „patronatus“ schon früher (aber nur selten) bezeugt, z. B. in einer nach
dem 8. November 1151 anzusetzenden Tradition von St. Peter in Salzburg:
Willibald Hauthaler, Salzburger Urkundenbuch I (Salzburg 1910) 8. 432
Nr, 330.
7) Von Mitis, Studien 8. 96—99.

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