Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

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Miszellen.

vollständig, und er erkannte auch, wie vorher schon Berger1), die Be-
ziehungen des Blattes zu Köln, über die in der Tat kein Zweifel sein kann.
Denn wenn auch nicht alle genannten Kirchen Pfarrkirchen der Stadt
Köln gewesen sind, wie der letztere annahm2), so doch St. Johann (Bap-
tist), St. Columba, Klein St. Martin, St. Alban und die Stiftskirchen
St. Aposteln, St. Gereon, St. Severin und St. Andreas, von denen Gereon
und Andreas die Pfarrseelsorge um 1200 an St. Christoph und St. Paul
abgegeben haben3), und auch die verbleibenden Kirchen gehören der-
selben Stadt an: Groß St. Martin war Benediktinerkloster (nach einer Ver-
mutung von Keussen in älterer Zeit wahrscheinlich auch Pfarrkirche)4),
St. Ursula (SS. Virgines) wie St. Cäcilien5) Kanonissenstift. Wenn
endlich meine Deutung des verstümmelten Ortsnamens „ichelinchusen"
auf Recklinghausen richtig ist, so bleiben wir auch damit im Bereich des
Kölner Sprengels.6) Das Alter der Schrift hat Thompson auf das
12. Jahrhundert bestimmt, während sie mir gleich Berger und Priebsch
dem 11. anzugehören schien. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen
und das Namenverzeichnis im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts ge-
schrieben sein; denn wenn von den bei den einzelnen Abschnitten an
erster Steile genannten Namen trotz der großen Dürftigkeit der Quellen
nicht weniger als drei in jener Zeit sich unter den Würdenträgern der
betreffenden Kirchen nachweisen lassen7), so wäre es ein seltsamer Zu-
fall, wenn es sich nicht um diese handelte, um die Dekane Werinbold
von St. Gereon (1080) und Karl von St. Andreas (vor 1083 bis 1094)8)
und die Äbtissin Meehtild von St. Ursula (1080), und man möchte auch
bei St. Cäcilien in der an zweiter Stelle genannten Hathewig die gleich-
namige Äbtissin (1094) erkennen, die vielleicht noch nicht die erste Stelle
in ihrem Stift einnahm, als die Namenliste angelegt wurde. Auch im
übrigen mag es sich teilweise um Mitglieder der einzelnen geistlichen
Körperschaften handeln; auch die Männernamen bei dem Frauenstift

x) A. a. O. 8. 213.
2) Ebd.: „noms allemands, classes sous la rubrique des diverses paroisses
de Cologne“.
8) Für Belege genügt es, auf die genannte Abhandlung von Dorn zu
verweisen. Vgl. jetzt auch K. JEL Schäfer, Kirchen und Christentum in
dem spätrömischen und frühmittelalterlichen Köln (Annalen des historischen
Vereins für den Niederrhein XCVIII, Köln 1916, 8.29 — 136), dessen zu wesent-
lich verschiedenen Ergebnissen kommende Darlegungen nicht selten die nötige
Kritik bei der Benutzung später und geringwertiger Quellen vermissen lassen
und auch sonst oft zum Widerspruch auffordern.
4) Vgl. Dorn ä. a. O. S. 120ff.; s. auch Schäfer a. a. O. S. 103 ff.
s) Über die Beziehungen von St. Cäcilien zum ältesten Kölner Dom
vgl. zuletzt Johann Dorn, Annalen des histor. Vereins für den Nieder-
rhein XCVIII, 1916, 8. 137-154.
6) Es handelt sich schwerlich um eine zum Personennamen gefügte
Heimatbezeichnung (wie Herimannus de Richellenehusen um 1185 bei R. Hoe-
niger, Kölner Schreinsurkunden II, 1, Bonn 1893, 8. 229), die für die Zeit
noch ungewöhnlich wäre und in dem Schriftstück einzig dastände.
7) Vgl. die Belege oben 8. 388 Anm. 3; 8. 389 Anm. 1, 3 und 4.
8) Man vermißt dann freilich die Pröpste der beiden Stifter.

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