Full text: Volume (6 (1916))

Zur Geschichte der Personalpfarreien.

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— mit ein paar Sätzen, die indes keinen höheren Wert be-
anspruchen wollen, als den vorläufiger Vermutungen, — so tue
ich es vor allem aus dem Grunde, weil bisher außer Hin-
schius meines Wissens noch kein Forscher seine Ansicht
über den Ursprung jener eigentümlichen Gebilde der mittel-
alterlichen deutschen Kirchenverfassung ausgesprochen hat,
dessen Erklärungsversuche jedoch, wenigstens soweit deut-
sche Verhältnisse in Frage kommen, einigen Bedenken be-
gegnen müssen. Hinschius glaubt, die Entstehung der
Personalpfarreien hänge (1.) damit zusammen, „daß in den
Städten, wo die Pfarreinteilung erst spät eintrat, einzelne
Kirchen gegründet worden sind, welche Pfarreirechte zu-
gunsten der Fundatoren und ihrer Familien beigelegt er-
halten haben, ferner (2.) damit, daß bei der Neugründung
von Parochien gewisse persönliche Abhängigkeitsverhält-
nisse insofern respektiert wurden, als man die in solchen
stehenden Personen bei der alten Pfarrei beließ, (3.) end-
lich damit, daß jener Zustand sich als Übergangsstufe von
der nicht selten vorkommenden Erscheinung einer Verwal-
tung der Seelsorge in ein und derselben Stadt durch mehrere
Pfarrer ohne räumlich abgegrenzte Distrikte zu einer voll-
ständigen Parochialeinteilung länger als zunächst beabsich-
tigt wurde, fixiert hat“.1)
Die erste wie die letzte dieser drei Möglichkeiten kom-
men bei der Frage nach der Entstehung der deutschen Per-
sonalpfarreien kaum in Betracht. Pfarreien, die mit den
parochiae gentilitiae Italiens Ähnlichkeit besessen hätten
und auf Gründung einzelner Personen oder Geschlechter
zurückzuführen wären, konnte ich auf deutschem Boden
bis heute nicht nach weisen; Pfarreien, die, ohne durch feste
Sprengel geschieden zu sein, nebeneinander bestanden, gab
es, wie ich an anderer Stelle zeigen werde, auch in unsern
mittelalterlichen Städten hier und da, doch besitzen wir
nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Annahme, daß
sie die Bildung von Personalgemeinden begünstigt hätten.
Dagegen spricht in der Tat manches dafür, daß ein Teil
unserer Personalpfarreien dadurch entstanden ist, daß man

x) Hinschius, Kirchenrecht II, S. 292.

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