Full text: Volume (6 (1916))

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Johann Dorn,

das vor allem dem Umstande zuzuschreiben sein, daß die
Zahl jener merkwürdigen Gemeinden in Vergangenheit wie
Gegenwart sehr gering ist. In den Lehrbüchern des Kirchen-
rechts werden sie meist mit ein paar Zeilen abgetan, von
manchen ganz übergangen. Eine Ausnahme macht Hin-
schius, dem seine große Belesenheit in den mittelalter-
lichen Quellen es ermöglichte, einige Personalpfarreien nam-
haft zu machen und urkundlich zu belegen.1) Außer ihm
hat, soweit mir bekannt geworden ist, von deutschen Auto-
ren lediglich Karl Heinrich Schäfer in seinen Büchern
über Pfarrkirche und Stift2) und über die Kanonissen-
stifter3) den Personalpfarreien unter Verwertung mancher
bis dahin unbeachtet gebliebener Quellenstellen größere Auf-
merksamkeit geschenkt. Daneben verdient noch ein in
italienischer Sprache erschienener, fast vollständig auf un-
gedruckten Quellen beruhender Aufsatz Erwähnung, der
sich mit einer bestimmten Klasse4) von Personalgemeinden
tätsgebiet einer Kirche beschränkt sind, sind nicht zu den Personalpfarreien
im strengen Sinne zu zählen. — Unberücksichtigt blieben jene Fälle, in
denen außer den Kanonikern, Vikaren, KanoniSSen, Mönchen, Nonnen
eines Stiftes oder Klosters nur die im Gebäude desselben wohnenden
Dienstboten der Seelsorge der eigenen Kirche unterstellt waren, wie beim
Kloster Ölinghausen in Westfalen, dem gestattet wurde, ut fratres . . .
libere divina cum plenitudine officii in cella sua celebrent sibi et sororibus
ac omnibus in ea cella deservientibus tam conducticiis quam professis, omnes-
que infra ambitum eiusdem celle manentes et habitantes, qui ad cellam istam
sive ex professione sive ex mercedis conductu spectant, cuiuscumque sexus
vel conditionis fuerint, si diem obitus sui ibidem acceperint, in atrio et cymi-
terio huius celle sepeliantur; nec preter huiusmodi homines alii ibidem
sepeliri debent . . . (Joh. Suitbert Seibertz, Landes- und Rechts-
geschichte des Herzogtums Westfalen II [Urkundenbuch II, Arnsberg
1839, S. 110 Nr. 79).
*) Paul Hinschius, Das Kirchenrecht der Katholiken und Prote-
stanten in Deutschland II, Berlin 1878, 8. 292f.
2) Kirchenrechtliche Abhandlungen, herausgegeben von Ulrich
Stutz, Heft III, Stuttgart 1903, S. 28 ff.
3) Ebenda Heft XLIII/XLIV 8. 114'.
4) Nach älteren, offenbar nur einige italienische Beispiele kennenden
Autoren könnte man meinen, die parochiae gentilitiae seien die einzig
vorkommende Art von Personalpfarreien, also mit diesen identisch. Daß
dem nicht so ist, werden die folgenden Seiten zeigen. Auch Lucius
Ferraris kennt die Gesichtspunkte, nach denen sich die Zugehörigkeit

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