Full text: Volume (6 (1916))

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Paul Haas,

zember 1446 vier Kardinale, die seinen vermittelnden Stand-
punkt teilten, ernannte, unter ihnen seinen Legaten Thomas
von Bologna und Johann Carvajal.1) Auffallen muß ferner,
daß allein die vierte Bulle „Inter cetera desideria“ die Bin-
dung der Nachfolger auf dem Stuhl Petri und die Zustim-
mung der Kardinale ausspricht, während diese doch lange
und erbittert über alle vier Fürstenkonkordate gestritten
haben. Auch läßt sich ein Widerspruch zwischen dem Satze
„quoniam propter imminentem nobis aegritudinem non va-
lemus omnia . . . concessa cum ea integritate judicii et
consilii examinare . . . quae rerum magnitudo . . . requi-
rit" 2) im Salvatorium und der dispositio „ex certa scientia
confirmamus“3) in der eben erwähnten vierten Bulle nicht
leugnen. Gerade die heillos verwirrten kirchlichen Zustände
nicht bloß auf dem Papier, sondern wirklich zu regeln, er-
forderte eine genaue Prüfung. Schließlich sei darauf hin-
gewiesen, wie geschickt an die Stelle des versprochenen
Konzils schon in der zweiten Bulle „Ad tranquillitatem“,
zunächst konkurrierend, der päpstliche Legat gesetzt wird.
Eugen wußte, daß auf diesem Wege, den er bereits in der
ersten Urkunde „Ad ea ex debito“ andeutet, für ihn mehr
zu erreichen war als durch eine allgemeine Kirchenversamm-
lung. Die eigenartige Verschiedenheit in der Beurkundung
der einzelnen Privilegien ist oben betrachtet worden.4 *) Alle
angeführten Punkte, die, für sich betrachtet, wenig be-
deuten, gestatten aber in ihrer Vereinigung und in dem
historischen Zusammenhang, in dem sie stehen, einen Schluß
auf den Charakter der eugenianischen Politik. Sie werden
in Verbindung mit den beiden vorhergehenden Beispielen
überzeugen, daß das Urteil Lederers6), Eugen verdanke
seinen Sieg über die Baseler und die deutschen national-
kirchlichen Bestrebungen nur seinem echt apostolischen Sinn

x) C. Eubel, Hierarchia catholica medii aevi II (Monasterii 1901),
p. 9; 0. Raynaldus ad a. 1446 nr. 6.
2) O. Raynaldus ad a. 1447 nr. 7.
») Koch 1. c. p. 187.
*) 8. oben 8. 3031.
‘) St. Lederer, Der spanische Kardinal Johann von Torquemada
(Freiburg i. Br. 1879), S. 11.

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