Full text: Volume (6 (1916))

Das Salvatorium Papst Eugens IV. vom 5. Februar 1447. 323
rückhaltlose Anerkennung des Baseler Konzils seit seiner
Eröffnung hätte aussprechen wollen, so würde er, um alle
etwaigen Bedenken zu zerstreuen, dem Vorschläge seines
Kardinallegaten als einer nur redaktionellen Änderung leicht
haben zustimmen können. Jedoch war er nicht entfernt
dazu geneigt. Inzwischen hatte er nämlich in einem an
den Dogen Franz Foscari von Venedig gerichteten Brief1)
vom August 1433 seine Revokationsbulle interpretiert und
darin den für die Baseler wichtigsten Satz von der Superio-
rität der Konzilien von der Anerkennung ausgenommen.
Er schreibt: ,,. . . ut concilio illi haereremus omnino, hoc
recusavimus, potius enim hanc apostolicam dignitatem et
vitam insuper posuissemus quam voluissemus esse causa
et initium, ut pontificis dignitas et sedis apostolicae auctori-
tas submitteretur concilio . . .". Eine noch schärfere Be-
leuchtung erhält die wahre Gesinnung Eugens durch die
Bulle „Deus novit“2) vom 13. September d. J. Selbst wenn
sie unecht ist3), kann sie in diesem Zusammenhang nicht
übergangen werden, da sie sicherlich die an dem apostoli-
schen Stuhle herrschende Stimmung wiedergibt. Hier dis-
pensiert sich der Papst als Vikar Christi von der Befolgung
aller Erlasse seiner Vorgänger und aller Konzilienbeschlüsse,
falls ein solches Vorgehen nicht gegen die Fundamente des
Glaubens oder das Heil der Kirche verstößt.4) Wenn er
dann trotzdem am 15. Dezember 1433 in der Bulle „Dudum
sacrum" zweiter Form5 6) die Baseler Forderungen, beson-
x) O. Raynaldus ad a. 1433 nr. 19; C. J. v. Hefele a. a. O. VII,
8. 541 f.
2) J. D.Mansi 1.c.XXIX,col.82-89;6. J.v.Hefele ebd.VII,S.560ff.
3) Eugen erklärt in der Revokationsbulle vom 15. Dezember 1433
(J. D. Mansi 1. e. XXIX, col. 79): . tertias (sc. litteras), quae di-
cuntur incipere, Deus novit, cum a nobis aut de scitu nostro nunquam
emanarint, licet superfluum videatur, quod non extat revocare.“ Über-
setzt man emanare mit Hefele (a. a. O. VII, S. 563) durch „veröffent-
lichen“, so hätte Eugen nicht einmal seine geistige Urheberschaft geleugnet.
4) „. . . quod possumus quaecumque statuta, decreta declarata
sive sancita per quoscumque praedecessores nostros vel per quaecumque
concilia ... ut vicarius Christi et irreprehensibiliter pro nostro amovere
et corrigere libitu voluntatis . . .“ bei L, D. Mansi 1. c. XXIX, col. 86.
6) J. D. Mansi 1. c. XXIX, col. 78ss.; dazu C. J. v. Hefele a. a.O.
VII, 8. 562f.

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