Full text: Volume (6 (1916))

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Paul Haas,

die überragende Stellung des obersten Bischofs gegen die
konziliaren Tendenzen und staatlichen Gewalten zu sichern,
nicht so viel Zeit und innere Sammlung zu Andacht und
Askese ließen, wie sie ihm der Aufenthalt im Kloster ge-
währt haben würde. Dieser Gedanke dürfte ihn vor seinem
Ende besonders beschäftigt haben, und aus dieser Stimmung
heraus sind wohl die Worte zu verstehen, die er von seinem
Totenbett an seine Umgebung gerichtet haben soll1): „0
Gabriel, quanto magis conduxisset animae tuae saluti, ut
nunquam cardinalatum nec pontificatum obtinuisses, sed
in monasterio religiosam disciplinam coluisses!“2) Eugen
ist also ein Vertreter des mönchisch-asketischen Lebens-
ideals im 15. Jahrhundert. Die Verneinung der Welt war
aber auf der andern Seite der Weg zur Höhe des „irdischen
Machtgebots“.3) Indem der einzelne auf sein Besitzrecht
an der Welt und weltlichen Dingen verzichtete, übertrug
er seine Ansprüche auf die Kirche. Sie griff den Gedanken
freudig auf und dehnte die Forderung allmählich auch auf
die Laien und die sozialen Gemeinschaften aus. Schließlich
verlangte sie das göttliche Regiment über alle irdischen
Verhältnisse, den Staat, die Familie, den einzelnen, die
Wirtschaft, das Recht, die geistige Bildung usw. Die
Mönche nun, die am vollkommensten der Welt entsagten,
waren daher die eigentlichen Vertreter der Weltherrschaft
x) Döllingers Ansicht (a. a. O. 8. 175), „die Mittel, die er an-
gewandt, preßten ihm doch in der Gewissensangst die Worte aus: 'O
Gabriel, . . geht sicher fehl. Da Eugen durch die Ausstellung des
Salvatoriums ohne Zweifel dem Heil der Kirche und der Gläubigen zu
dienen glaubte, wird er keine Gewissensbedenken über die angewandten
Mittel gehabt haben. Auch Pastor (a. a. O. I, 8. 280/1 Anm. 5), der die
Worte auf die Gewissensangst zurückführt, die er „über die den Deutschen
bewilligten weitgehenden Konzessionen“ empfand, muß abgelehnt werden.
Es ist psychologisch durchaus unwahrscheinlich, daß die vornehmlich
in Betracht kommende erste Urkunde „Ad ea ex debito die zudem schon
14 Tagen früher ausgestellt worden ist, die ganze Aufmerksamkeit des
Papstes, der angesichts des Todes Rückschau hält auf sein bewegtes
Leben, gefesselt haben sollte.
21 O. Raynaldus ad a. 1447 nr. 13.
8) Vgl* Dnn Folgenden H. v. Eicken, Geschichte und System der
mittelalterlichen Weltanschauung, (2. Aufl., Stuttgart und Berlin 1913),
8. 325 ff.

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