Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Zur Charakteristik d. geistl. Gerichtsbarkeit im spät. M.A. 277
entgegenstehender weltlicher Urteile wird in solchem Falle
mit Bannandrohung eingeschritten.1) Ingleichen werden die
dem geistlichen Gerichte unterstellten Kreuzfahrer, wenn
sie vor weltlichen Gerichten prozessieren, von diesen mit
Bannandrohung zurückgef ordert.2) Ja selbst wenn ein
solcher nur in betrügerischer Absicht, nämlich um seinem
Gläubiger zu entgehen, gegen die Albigenser das Kreuz ge-
nommen hat, gehört er vor das geistliche Gericht. Inno-
cenz III. exkommuniziert in einem solchen Falle, als der
Inkulpat in weltliche Untersuchungs- oder Schuldhaft ge-
raten ist, die Gräfin von Flandern und belegt ihr Land mit
dem Interdikte.3) Erst diese weitere Ausdehnung des Ban-
nes, seine defensive, aber auch aggressive Verwendung als
Kompetenzschutzmittels ist es offenbar gewesen, was die
meisten und schärfsten Repressalien der weltlichen Gewalt
hervorgerufen hat. Der Ort, an dem ein verbrecherischer
Geistlicher widerrechtlich gefangen gehalten wird, verfällt
dem Interdikte.4) Dasselbe soll nach der Meinung eines
Avignoneser Konzils von 1326 aber auch für einen Ort
gelten, in dem sich ein weltlicher Richter aufhält, der sich
trotz Bann geweigert hat, die Absolution eines anderen Ge-
bannten zu erzwingen.5) Drei Jahre später führt Peter von
Cuignieres, ein unnachsichtiger und doch auch wieder milder
Kritiker der geistlichen Gerichtsbarkeit, auf der Versamm-
lung von Vincennes Klage darüber, daß Pfarreien interdiziert
werden, deren Klerikerkonkubinen vom weltlichen Gerichte
gefänglich angenommen worden sind.6) Verschuldete, vom
weltlichen Gerichte freigesprochene Witwen werden vom
geistlichen zu einer Geldstrafe verurteilt und durch den Bann
zur Zahlung gezwungen. Wenn Exkommunizierte die Ab-
solutionsgelder nicht zahlen, werden die weltlichen Richter
unter Androhung der Exkommunikation gezwungen, sie
zur Zahlung zu veranlassen. Indem sich aber der Kampf

i) A. 0. Meyer S. 118. 2) Lea I S. 48. 49 Anm. 1.
3) Lea I S. 163. 164 Anm. 1.
4) Fournier p. 66s.; Poncet p. 95s.; Martin p. 160. 167. 229.
245. 250. 298; Kotke 8. 551.; Dix 8. 14S.
5) Kober 8. 443.
6) Martin p. 158. Für das Folgende p. 159. 168. 359.

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