Full text: Volume (6 (1916))

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Heinrich Singer,

stellte, indem er den vom Schreiber herrührenden Vermerk
für ein Idem in der Inskription1) unausgeführt ließ und
Vor dem gedachten Vermerke die richtige Überschrift
(Innoc. IV.) mit farbiger Initiale einschaltete.
Eine besonnene und sorgfältige Kritik kann demnach
däs c. Quia frequenter auch in der Prager Extravaganten-
sammlung, ungeachtet der evidenten, in der Inskription
der Handschrift vorkommenden Fehler, nur dem Papste
Innoeenz IV. beilegen.
Die Zahl der mittelalterlichen Kanonisten, welche des
c. Qüia frequenter Erwähnung tun und sich mit demselben
beschäftigen, ist, wie Wir sehen werden, verhältnismäßig
recht klein, und selbst aus dieser geringen Zahl müßte, wenn
wir nur die beachtenswerten Stimmen zählen wollen, noch
einer und der andere ausscheiden, welcher offenbar ohne
jegliche Selbständigkeit nur ausgeschrieben hat, was er bei
einem älteren Autor vorfand. Alle diese Schriftsteller kennen
und beurteilen die Dekretale Quia frequenter nur auf Grund
jener Angaben, die der Schule im Dekretalenkommentar des
jüngeren Bernhard von Compostella und bei dem Von
letzterem abhängigen Durantis zugänglich waren —- Ge-
währsmänner, welchen die Autorität ihrer Wirksamkeit an
der römischen Kurie zu statten kam. Der jüngere Bernhard
von Compostella2) war Innoeenz’ IV. „Kapellan“ und er
hat seinen — unvollendet gebliebenen — Dekretalenkom-
mentar auf Grund eines besonderen Auftrages dieses Papstes
x) In Schultes Analyse der Prager Extravagantensammlung ist
dieses [I]dem des Schreibers wieder übersehen oder ignoriert; vgl. das,
S. 736 zu n. XXIX.
2) Vgl. über denselben aus der Literatur etwa Maur. Sarti et Mattf.
Fattorini, De claris archigymn. Bononieüs. professoribus. Iterum
edider. Caes. Albicinus et Car. Malogola. Bonon. 1888—1896 t. I p.
425—427; Schulte, Gesch. der Quellen u. Lit. d. kan. Hechts II 118f.
Wenn Sarti von Bernhard sagt: „Innocenti! IV. capellanus fuit, id est
causarum cognitor“, so möchte man id est durch et ersetzt sehen; denn
die Annahme, daß damals mit der Steilung eines päpstlichen Kapellans
Stets auch jene eines päpstlichen Auditors ohne weiteres verbunden war,
ist gewiß irrig. (VgL über die päpstlichen Auditoren dieser Zeit Hin-
schius, Kirchenrecht I 393—396» Sägmüller in der Tübinger TheoL
Qüarfcalsehr. LXXVH [1895] S. 106, F. E. Schneider, Die Römische
pöta I [1914] 8. 6.)

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