Full text: Volume (6 (1916))

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Justus Hashagen,

brauch auch vor einer doch erst modernen und natürlich
reformatorisch beeinflußten Spiritualisierung der mittel-
alterlichen Kirche wohl zu hüten haben. So stellt eines der
gangbaren Lehrbücher des Kirchenrechts in lediglich kon-
struktiven Betrachtungen die 'Natur der kirchlichen Ge-
meinschaft als einer geistigen’ als eine selbstverständliche
Voraussetzung eines angemessenen kirchlichen Strafrechtes
und Strafverfahrens hin. Die Kirche dürfe deshalb nur
Mittel anwenden, 'welche innerhalb der Rechtssphäre der
Kirche als einer geistigen Genossenschaft begründet sind’,
woraus dann weiter grundsätzlich gefolgert wird, die stra-
fende Reaktion der Kirche dürfe sich nur gegen 'offenkundige
Vergehen’ richten, 'da nur durch deren Duldung die Kirche
ihren auf Gottesgemeinschaft gerichteten Charakter zu ver-
lieren Gefahr läuft’.1) Gewiß ist diese spiritualistische Kritik
weder der laienfreundlichen Publizistik auf der Höhe des
Mittelalters noch den verschiedensten Gruppen der spät-
mittelalterlichen Reformparteien fremd. So findet sich schon
ca. 1303 in der Schrift 'de .potestate regia et papali’ des
Johann von Paris folgende geradezu die Inkommensurabi-
lität des geistlichen und des weltlichen Gebietes mit moder-
nem Scharfblicke erfassende Lehre: 'Die sogenannte geist-
liche Jurisdiktion ist keine richterliche Befugnis im juristi-
schen Sinne, sondern eine moralische Korrektionsgewalt im
religiösen Sinne. Sie hat die innere Gesinnung zu läutern,
nicht die äußere Rechtsordnung zu schützen.’ Mit derselben
‘^härfe ergibt sich aus der etwa gleichzeitigen 'disputatio
r clericum et militem’: 'Die cognitio de peccato, die die
e besitzt, ist kein judicium de justo et injusto: nicht
s Rechtsmoment hat sie zu entscheiden, sondern über
e der Religion und Moral.’2) — Aber für den prak-
d* ..
V.ftaboV berg S. 312. Ähnlich R. Sohms scharfe Antithesen in
- Kirchenrecht 9 (1870) 8. 193. 247. Vgl. Kolde 8. 109
"^eib und Jhering bei Ott S. 52a, die aber von Ott
. _ akteristik der Vorzüge des kirchlichen Strafrechts
^ffie E«« sollen.
Acht zur Publizistik zur ' Zeit Philipps des Schönen,
hätte» verwandt ^w ^ ^en, herausg. von Stutz 6/8 (1903) 8. 298.
a) R. Sch° *’uaruSlh»fc Zeitschrift für Kirchenrecht
Kiicbeoreoh^f^a, Vgl. *
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8 (1869) 8. 80.

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